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Vieles bei mir ist learning by doing

Interview mit Anna-Luisa Kubenz in der Reihe "Köpfe aus Schwerin"
Anna-Luisa Kubenz, 22 Jahre Fahrradverkäuferin im Cube-Store Schwerin
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Du bist gelernte Fahrradverkäuferin. Da hast du auch viel mit Technik zu tun. Klischeemäßig gilt dieser Bereich eher als „männlich“. Und du bist ja im Cube-Store Schwerin auch die einzige Frau. Wie bist du zu dem Beruf gekommen?
Es wäre tatsächlich von Vorteil, wenn man in dem Job etwas technisches Verständnis mitbringt. Du musst verstehen, wie die Komponenten des Fahrrads zusammenwirken, den Kunden die Geometrie des Rahmens erklären können und so weiter. Oft ist Begeisterung für Technik tatsächlich eher bei Jungs und Männern ausgeprägt, warum auch immer. Ich habe mich aber von klein auf für Technik interessiert.

Und weil du auch gern Fahrrad gefahren bis, kam gar nichts anderes in Frage als dieser Beruf?
Nein, so war es nun auch wieder nicht (lacht). Ich plane generell kaum mein Leben; ich lasse das meiste einfach auf mich zukommen. Nach der zehnten Klasse habe ich erstmal in meiner Heimatstadt Berlin ein Freiwilliges ökologisches Jahr gemacht – bei einer Gärtnerei. Danach bin ich zur Berufsberatung gegangen und habe denen nur gesagt, was ich nicht machen möchte, nämlich eine Arbeit, bei der ich viel sitzen muss. Ich brauche immer Bewegung. Von den verbleibenden Möglichkeiten gefiel mir die Ausbildung im Fahrradhandel super, obwohl ich die Branche vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich freue mich überhaupt auf Neues, auf Veränderungen. Ich gehe gern meinen eigenen Weg, probiere Dinge aus. Fahrradverkäuferin zu werden, hat sich tatsächlich als die richtige Entscheidung herausgestellt.
Fahrrad gefahren bin ich so wie viele andere mal hier und mal dort hin, aber ein Hobby war es nicht direkt. So richtig Interesse am Fahrrad habe ich erst während der Lehre entwickelt. Man kann sagen, ich bin mit diesem – sehr schönen – Produkt gewachsen.

Hattest du trotzdem als Kind einen Traumberuf?
Nein. Aber kurzzeitig hatte ich die Idee, Psychologin oder Psychotherapeutin zu werden. Mir wurde jedoch schnell klar, dass das nicht das Richtige für mich ist. Ich mag mich einfach nicht lange mit Theorie auseinandersetzen, sondern bin Praxismensch.

Praxis ist ein gutes Stichwort. Bei euch im Cube-Store Schwerin in der Marienplatz-Galerie habt ihr ja auch eine markenoffene Werkstatt. Selbst wenn das nicht unmittelbar dein Job ist – könntest du Fahrräder zusammenbauen und reparieren?
Nicht so hundertprozentig wie die Jungs dort, klar. Aber hinkriegen würde ich es auch. Ich bin handwerklich ganz gut bewandert. Und vieles bei mir ist learning by doing.

Du bis eigentlich Berlinerin, wohnst aber seit Kurzem in Schwerin. Was magst du an unserer Stadt, und was vermisst hier?
Schwerin hat eine wunderschöne Altstadt und so viele Gewässer in unmittelbarer Nähe. In Berlin fährt es sich aber besser Fahrrad wegen der vielen größeren und entsprechend ausgebauten Straßen. Berlin ist auch etwas bunter und lebensfroher, weil dort mehr junge Menschen leben als in Schwerin. Ich hätte früher nie im Leben gedacht, dass ich mal woanders lande als in Berlin. Nun bin ich hier in Schwerin und bereue es nicht. Interview: S. Krieg