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Im kreativen Universum

Die Aufregung wächst. Wenn am 4. Juli Absolventen der Designschule bei der Modenschau New Look im Schweriner Digital Garden ihre Kreationen auf dem Laufsteg präsentieren, sind Marlene Klein und Lara Lenz dabei. Hinter den beiden jungen Frauen aus Westmecklenburg liegt dann eine turbulente und glückliche Zeit: Mit der Ausbildung an der Designschule konnten sie drei Jahre lang in ein kreatives Universum eintauchen und ihr Verständnis von Mode weiter formen. „Ich würde mir wünschen, dass es so wie jetzt mein ganzes Leben lang weitergeht“, sagt Marlene. Und das ist aus ihrem Mund ein ungewöhnlicher Satz, denn früher war die 23-Jährige die Schule immer leid: „Das Praktische hat mir gefehlt. Meinen Traum, etwas Kreatives zu machen, konnte ich erst hier verwirklichen.“
Auch Lara haderte früher mit der Schule – vor allem damit, dass Kreatives nie als gleichwertig wichtig angesehen wurde. „Dabei hat auch das seinen Platz in der Welt“, sagt die 20-Jährige – und in ihrer Welt auf jeden Fall. Ihr eigener Stil: expressiv und inspiriert von Subkultur. Den Rock, den Lara an diesem Tag trägt, hat sie aus einem alten Kleidungsstück gemacht. Sie liebt Second-Hand-Klamotten und ändert sie nach ihren Bedürfnissen. Das Nähen hat sie wie Marlene erst an der Designschule gelernt. Hier gehört zur Kunst auch das Handwerk: Neben der Modedesign-Ausbildung besteht die Möglichkeit, den Berufsabschluss als Maßschneider zu erwerben und beide haben diese Chance genutzt.
Etwas anderes ist Marlene und Lara aber fast noch wichtiger: Sie haben gelernt, an sich zu glauben. Schließlich ist Mode mehr als das Tragen von Kleidung. Sie ist eine Kunstform, die zeitgenössische Strömungen aufnimmt und gleichzeitig Individualität erschließt. Marlene und Lara sehen sie als Sprache, in der sie sich ausdrücken und die „Vokabeln“ haben sie in den zurückliegenden drei Jahren in Schwerin gelernt. Was ist eine Culotte, was Mi-parti? Wo sitzt eine Naht, was kann welches Material? Wie lassen sich gesellschaftliche Entwicklungen in Mode übersetzen? Marlene beispielsweise hat sich für ein Semesterprojekt mit der Macht von Familiendynastien in der Gesellschaft beschäftigt. Modisch inspiriert hat sie dabei die Rokoko-Zeit: Nach außen ist alles sehr laut, bunt und überspitzt. Doch die Strukturen darunter liegen frei, wenn der Überrock abgeworfen wird.
Welche Zukunftspläne haben die beiden Absolventinnen? „Das ist die schwierigste Frage“, sagt Lara, die wie Marlene am liebsten noch länger den kreativen Input der Designschule genießen würde. Plan Nummer eins lautet aber: Ab in eine größere Stadt. Und was heißt größere, beide wollen sie in die größte von Deutschland, nach Berlin. Dort, hofft Lara, findet sich eher eine Zielgruppe für ihr Tun. Auch die ökonomischen Bedingungen hat sie dabei im Blick: „Weil unsere Zielgruppe jünger ist, sind es Leute, die weniger Geld haben und weniger für Mode ausgeben können“, sagt sie. Deshalb wünscht sie sich zum Beispiel, ein Kollektiv zu finden, das bestehen hilft gegen den Markt und seine Unwägbarkeiten. Kreativität ist also nicht nur im eigenen Tun, sondern auch in dessen Vermarktung gefragt.
In die New Look am 4. Juli starten beide Frauen selbstbewusst. Ihr Lampenfieber, sagt Lara, hat sie verloren: „Das ist sicher nicht einfach, wenn du aus einem kleinen Ort in MV kommst, aber hier an der Schule beginnt das Selbstbewusstsein zu sprießen.“ Marlene kann das nur bestätigen: „Es ist die eigene Wirksamkeit, die Selbstbewusstsein schafft, und das lernt man hier.“ Bei der Abschlussmodenschau werden jetzt beide zeigen, dass sie etwas zu sagen haben: mit Mode.
Katja Haescher




