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Großes Herz für kleine Schwimmer

Schwimmnudeln, Wasser und ganz viel Herz: Das sind die Zutaten, mit denen Beate Stabenow kleine Seepferdchen zum Schwimmen bringt und kleine Seeräuber seetauglich macht. Eine weitere Zutat: ein großer Teil ihrer Freizeit. Denn als Schwimmlehrerin bei der DRK-Wasserwacht steht die Schwerinerin ehrenamtlich am Beckenrand. Dass ein Kind schwimmen lernt, ist für Beate Stabenow keine Aushandlungssache. „Viele Eltern lassen ja ihre Kinder mit entscheiden: Möchtest du dies? Willst du jenes nicht? Aber die Frage nach dem Schwimmen gehört für mich nicht in diese Reihe. Schwimmen muss jedes Kind lernen!“, sagt die 53-Jährige. Dafür engagiert sie sich gern und fühlt sich durch die Erfolge und die Begeisterung ihrer kleinen Schwimmschüler beschenkt.
Selbst, sagt sie, war sie als Kind keine Wasserratte. Aber als die eigene Tochter das Seepferdchen ablegen sollte, musste Beate Stabenow mit in die Halle. Und als aus dem Seepferdchen ein Schwimmtraining beim PSV wurde und es dort zu wenige Übungsleiter gab, schlüpfte sie in die Badelatschen. „Ich war ja ohnehin die ganze Zeit dabei, da musste ich auch nicht draußen Kaffee trinken und warten, dass der Kurs zu Ende ist“, sagt sie pragmatisch. Ein allgemeiner Grundkurs beim Landessportbund und anschließend der Trainerschein der Stufe C als Übungsleiterin für Breitensport schlossen sich an und berechtigen sie dazu, Kurse zu geben. Seepferdchen – dieses Frühschwimmer-Abzeichen bedeutet nicht weniger, als dass sich Kinder über Wasser halten können. Aber auch nicht mehr: Erst das Schwimmabzeichen in Bronze macht sie zu Freischwimmern. „Eltern müssen also nach wie vor beim Baden aufpassen, auch wenn das Kind bereits den Seepferdchen- oder Seeräuberkurs absolviert hat“, sagt Beate Stabenow eindringlich. Wenn sie selbst ans Wasser fährt, kann sie ihren aufmerksamen Blick gar nicht abschalten: Ist alles in Ordnung in der Planschzone? Eine zusätzliche Baderegel vermittelt sie ihren angehenden Seepferdchen immer: Was zieht ihr an, wenn ihr auf dem Stand-up-Board steht? Eine Schwimmweste!
Seepferdchen- und Seeräuberkurse sind Beate Stabenow bei ihrem Engagement in der DRK-Wasserwacht die liebsten. Wichtig ist ihr auch, sie mit viel Spaß zu verbinden. Eine zehnminütige Spielzeit am Ende gehört deshalb immer dazu und sie beobachtet, wie manche Kinder dann Dinge ausprobieren, die sie sich im Kurs noch gar nicht trauen – zum Beispiel den Kopf unters Wasser zu tauchen. Auch selbst muss Beate Stabenow sich immer wieder fordern und regelmäßig das Rettungsschwimmer-Abzeichen auffrischen. Ihr Ziel ist es, im August am Schweriner Schlossschwimmen teilzunehmen und dort die Strecke von zwei Kilometern rund um die Schlossinsel in einer guten Zeit zu schaffen. Deshalb trainiert sie gerade das Kraulschwimmen, eine Technik, die ihr nicht so gut liegt. Ihre ältere Tochter ist inzwischen im Trisport aktiv und eine gute Motivatorin. „Sie will in diesem Jahr ihren ersten Triathlon absolvieren“, sagt die Mutter stolz. Sie unterstützt die Kinder, indem sie sie zu Wettkämpfen fährt oder auch mal als Rettungsschwimmerin ein Training absichert.
Und während so mindestens zwei Tage in der Woche dem Schwimmen gehören, gehören andere Tage der Musik. Die Schwerinerin spielt Geige bei den Schelfonikern, dem Laien-Orchester des Konservatoriums. In dieser Musikschule hat sie selbst ihr Instrument gelernt. Damals war sie sieben Jahre alt und Liane Schuster, Ehefrau von Ensemble-Gründer Achim Schuster, ihre Lehrerin. Inzwischen ist Beate Stabenow Konzertmeisterin bei den Schelfonikern – hat ihren Platz also an der Schnittstelle von Orchester und Dirigent. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen: Sie spielt die erste Geige. So würde es die 53-Jährige aber niemals ausdrücken. Sie spielt im Orchester, weil ihr das Musizieren in der Gemeinschaft Spaß macht. „Das ist das Schönste daran“, sagt Beate Stabenow, die zu den „dienstältesten“ Musikern bei den Schelfonikern gehört. Ein halbes Jahr nach der Gründung 1993 ist sie eingestiegen. Regelmäßige Proben sind Voraussetzung dafür, dass bei Auftritten alle Töne sitzen.
Manchmal, sagt die Mutter zweier Teenager-Töchter, ist die Liste der Freizeitaktivitäten schon recht lang. Da wäre ja auch noch der Kinderkreis in ihrer Kirchengemeinde, den sie regelmäßig betreut. „Manchmal stelle ich mir schon die Frage: Würdest du etwas davon abgeben wollen?“, sagt sie und liefert die Antwort gleich mit: „Eigentlich nicht.“ Denn bei allen selbst gewählten Aufgaben ist sie mit Herzblut dabei. Das gilt natürlich auch im Job. Die gelernte Maschinenbau-Zeichnerin arbeitet seit 2001 in der Druckerei. Das mag eine andere Branche sein. Aber Beate Stabenow beweist immer wieder, wie gut sie darin ist, einfach anzufangen.
Katja Haescher




