19.06.2026

Kultur

Humorvoll und mit Tiefgang

Interview "Köpfe aus Schwerin" mit Rolf Petersen
Rolf Petersen ist seit 23 Jahren Direktor der Fritz-Reuter-Bühne.
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Die Fritz-Reuter-Bühne feiert in diesem Jahr ihren 100. Was macht die Bühne so besonders?
In erster Linie die Sprache, das Niederdeutsche, das hier gepflegt wird. Niederdeutsch ist als regionale Minderheitensprache anerkannt, die Förderung ist in der Landesverfassung von MV festgelegt und seit 2014 ist das Theaterspiel in plattdeutscher Sprache sogar immaterielles Kulturerbe.

Wie waren die Anfänge?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine regelrechte Flut plattdeutscher Bühnen. ­
Dr. Richard Ohnsorg war 1902 in Hamburg Signalgeber einer Heimatbewegung, die in Zeiten der Industrialisierung aufkam. Es ging unter anderem darum, die plattdeutsche Sprache nicht zu vergessen. Am 29. November 1926 gründete dann Richard Spethmann am Schweriner Theater offiziell die Sparte – „De Stratenmusik“ von Paul Schurek war die erste Premiere. 1946 bekam die Bühne den Namen von Fritz Reuter, während das Ohnsorg-Theater nach seinem Gründer benannt wurde. Die beiden sind die einzigen professionellen plattdeutschen Bühnen Deutschlands.

Worauf freuen Sie sich im Jubiläumsjahr?
Auf unsere erste Premiere „As in‘n Häben“ zum Beispiel. Den Film „Wie im Himmel“ kennen viele und ich mag ihn sehr. Ich finde den Stoff wunderbar und er hat mit meiner Liebe zur klassischen Musik zu tun: Ein international gefeierter Dirigent, der immer auf der Suche nach dem perfekten Ton ist und auf dem Höhepunkt seiner Karriere alles hinwirft, der erarbeitet diesen Ton zusammen mit einem Dorfchor! Gespannt bin ich auch schon auf „Uns Fritzing“, ein Stück, das Peter Schanz gerade für uns schreibt. Darin geht es um Reuters Leben und darüber, was er uns heute noch zu sagen hat – wir finden: viel. Goldonis „Diener zweier Herren“ oder „Ein Deiner för twei Herren“ kommt dann bei den Schlossfestspielen im Freilichtmuseum in Mueß, das ist wie gespuckt für unser Ensemble. Und fragen Sie mich mal, was ich mir wünsche.

Was wünschen Sie sich?
Ich hätte gern mehr als sechs feste Schauspieler im Ensemble. Bei „As in‘n Häben“ arbeiten wir mit mehreren Gäs­ten und der Singakademie zusammen, schließlich steht da ja am Ende ein ganzer Chor auf der Bühne. Mit mehr Schauspielern ist die Stückauswahl größer und wir könnten vor allem auch mehr Schulprojekte als Basisarbeit umsetzen. Die plattdeutsche Sprache ist ein wunderbares Kulturgut, das sollten wir pflegen.

Wie kann plattdeutsches Theater heute locken?
Die Stückauswahl hat sich in den 23 Jahren, in denen ich hier bin, sehr verändert. So, wie sich auch die Gesellschaft verändert, und wir greifen mit Humor und Tiefgang aktuelle Themen auf. Plattdeutsches Theater hat nichts mit Bauernschwänken und Schenkelklopfern zu tun, es ist ernstzunehmendes Theater – nur eben auf Platt. Und allen, die Angst haben, hier nichts zu verstehen, sage ich immer: Kommen Sie zu uns, beim ersten Mal verstehen Sie 80 Prozent, beim zweiten Mal mehr, beim dritten Mal alles.

Wo haben Sie selbst Platt gelernt?
Zu Hause, ich bin auf einem Bauernhof in der Nähe von Neumünster groß geworden. 
Als ich zur Schule kam, hatte ich schon ein bisschen Angst vor Hochdeutsch und davor, mir und mich zu verwechseln.
 

Interview: Katja Haescher