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Leo sagt ...

Schnäppchenjagd
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Leo als Jäger? Kaum vorstellbar. Aber ich bin trotz meiner steinernen Hülle ein Raubtier. In meinem tiefsten Inneren jedenfalls. Doch da ich selbst nicht mehr auf Beutezug gehen kann, beobachte ich die menschlichen Artgenossen. Also eher Artgenossinnen. Denn auch bei den Zweibeinern geht vor allem das Weibchen auf die Jagd. Nicht unbedingt im Wald und in der Steppe, sondern am allerliebsten warm und trocken unterm Dach. In den großen Einkaufszentren, da erkenne ich sie, „meine Pappenheimer“, würde Schiller sagen. Sie lauern, schleichen sich an, schlagen unerbittlich zu. Ihre Beute ist kein vierbeiniges Frischfleisch, sondern ein Wesen namens „Schnäppchen“.

Das kennen wir in unseren Jagdgebieten nicht. Es ist auch nicht zu beschreiben. Ich habe schon Jägerinnen nach ihrem Beutezug mit Taschen voller Schuhe und Blusen, aber ohne große Fleischpakete, gesehen. Im Winter sind sie Mänteln und Stiefeln auf der Spur, im Sommer Bikinis. Die dicksten Frauen watscheln mit Rucksäcken voller Sportsachen an mir vorbei. Anders als bei uns Löwen geht es den Schnäppchenjägern nicht ums Sattwerden, sondern einzig und allein um den - möglichst niedrig bezahlten - Besitz. Wenn eine Schnäppchenjägerin das Wort mit Sch nur hört, setzt ihr Verstand aus. Sie rennt los, walzt alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt, schubst, rafft, opfert dabei sogar ihren eigenen Nachwuchs. Sie will Schnäppchen. Nichts kann sie in ihrem Jagdfieber stoppen. Nicht einmal besonders hohe Preise.

Euer Museums-Löwe