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FRÄULEIN WUNDER KOMMT IN FAHRT

Nadine Köhler näht quietschfröhliche Kleider, Mützen und Tücher für Kinder
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„Ich bin ein Wurzelmensch.“ Klingt irgendwie lustig, was Nadine Köhler da eben gesagt hat. Ich stelle mir vor, wie ihr an Fingern, Nasenspitze und Füßen lange dünne knorrige Wurzeln herunterhängen. Doch bevor meine Fantasie immer längere Wurzeln schlagen kann, zertrennt sie eine scharfe Stimme. „Hier ist der Tee.“ Nadine Köhler dankt und stupst ihren mit Kräutern gefüllten Beutel tief ins Glas. Dabei erfahre ich, dass sie nach der Schule eigentlich Tischlerin werden wollte. Immer schon habe sie sich Zuhause ausgetobt, Schränke abgeschliffen und bemalt. Aber dann sitzt sie nach dem Abitur beim Arbeitsamt und schaut sich eines dieser Videos an, die unentschlossenen Jugendlichen gezeigt werden. Augenblicklich zerplatzt ihr Wunsch. Zwar macht das Video über die Arbeit als Physiotherapeutin auch nicht mehr her, aber dieser Weg scheint ihr doch erträglicher zu sein. Sie hat Glück und findet Gefallen am Job. „Doch ich hab schnell gemerkt, dass es nicht meine Berufung ist“, sagt sie und zieht den Teebeutel nach oben. „Etwas fehlte, ich fühlte mich kreativ nicht ausgefüllt.“ Außerdem hat sie plötzlich in Schwerin das Gefühl, etwas zu verpassen. Sie wagt einen Fluchtversuch nach Berlin und findet sich als 24-jährige Studentin zwischen 18-Jährigen wieder. „Nee, das willste nicht“, stellt sie schnell fest. „Ich habe meine Freunde, meine Heimat vermisst und gemerkt, ich bin ein Wurzelmensch.“ So kehrt sie zurück. Dass Gefühl, als Physiotherapeutin nicht ausgefüllt zu sein, verschwindet, als sie eines Tages vor einem Haufen weißen Filz sitzt. Sie soll und will einem Freund Kostüme für ein Theaterstück fertigen. Als sie das getan hat, lacht sie ein Berg aus dem restlichen Material an. „Den kannst du zu Taschen verarbeiten“, schießt es ihr durch den Kopf. Der Zeitpunkt ist bestens, da gerade Tochter Frida geboren ist und sie mitten in der Elterzeit steckt. Sie kramt ihre alte Ostnähmaschine heraus, mit der sie als Kind Schlafsäcke für ihre Plüschtiere gefertigt hat. Stich für Stich eignet sie sich die Handarbeit wieder an. Schon bald entstehen erste Kinderkleider. Als Label legt sie sich den Namen Fräulein Wunder zu. „Eigentlich kann ich gar nicht nähen“, sagt sie und hebt den tropfenden Beutel heraus. Doch ihre Kollektion, die fröhlich auf einer Wäscheleine vor und im Café Mama Chocolate in der Friedrichstraße baumelt, sagt etwas anderes. Nämlich, dass Nadine Köhler einen treffsicheren Geschmack hat und ihre Sachen unglaublich professionell wirken. Die Mützen, Tücher und Kleider sind aus so hübschen Stoffen gefertigt und haben so niedliche Formen, dass Mütter und Großmamas kaum einen Bogen um sie machen können. Inzwischen leuchten überall in der Stadt ihre Mützen aus den Kinderwagen. „Ich habe 20 Sachen von ihr“, schwärmt Ulrike Kampke, die im Mama Chocolate arbeitet. „Die meisten sind für meinen kleinen Sohn, für Jungs gibt es nicht so viele schöne Sachen in Schwerin.“ Nadine Köhler kneift die Augen zusammen und grinst. Sie genießt das Lob. Überhaupt bekommt sie davon in letzter Zeit eine ganze Menge zu hören. Ob auf Kunsthandwerkermärkten oder beim Flohmarkt in der Friedrichstraße - überall flattern ihre Kindersachen wie Wimpel im Wind, überall ist sie mit Mann und Maus dabei. „Das Schöne ist, dass die Leute über meine Sachen lachen und Freude daran haben. Sie bleiben stehen, selbst wenn sie es sich nicht leisten können. Das ist ein toller Antrieb für meine Arbeit.“ Mittlerweile traut sie sich auch an Filztaschen, Schlüsselbänder, Lampen und Handytaschen für die Großen ran. Auf den zumeist aus grauem Wollfilz gefertigten Sachen, die sie in der Töpferei Loza Fina in der Puschkinstraße untergebracht hat, prangen lustigen Sprüche wie Klingelbeutel, Buschfunk, Kröten, Wechselschlüpfer oder EI POTT. Bei den Aufdrucken greift ihr Lebensgefährte und Grafiker Martin Molter unter die Arme. „Mach doch einfach“, sagt er, wenn Nadine Köhler mal wieder eine neue Idee hat. Und wie sie macht. Erst kürzlich hat sie für eine Schweriner Kaffeerösterei witzige Sitzkissen und Brotkörbe entworfen. Bei all den Aufträgen muss sie manchmal acht geben, dass ihr Alltag nicht verfilzt. „Zwei Berufe und die Familie unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach“, gibt sie zu und saugt den letzten Teetropfen aus dem Glas. „Wenn ich an manchen Abenden vor einem Berg von Mützen sitze, roll ich schon mal mit den Augen.“ Doch dieses Gefühl, das einem alles über den Kopf wächst, verfliegt, sobald die 32-Jährige aufs Surfbrett steigt. Sie mag das Wasser. Wenn Nadine Köhler ins kühle Nass taucht, dann ist sie wieder frei für neue Ideen. Dann kommt Fräulein Wunder wieder voll in Fahrt.

Näheres zu Fräulein Wunder unter www.fräulein-wunder.org