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EIN GLÄNZENDER AUFTRITT

Als Graveurmeisterin geht Carola Frericks einem selten gewordenen Handwerk nach
Auf einem Zinnbecher verewigt Graveurmeisterin Carola Frericks ein Familienwappen.
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Carola Frericks hat nicht mit Posaunen und Trompeten auf sich aufmerksam gemacht. Als sie die Verzierungen eines uralten Instruments kopieren durfte, saß sie mucksmäuschenstill in ihrer Werkstatt, lauschte den Glockenschlägen der Paulskirche und konzentrierte sich auf die Arbeit. Es war ein spannender Auftrag, den sie in den Händen hielt. In der Kirche in Belitz (Prebberede)war eine Birckholtz-Trompete von 1650 entdeckt worden - eine kleine Sensation.
Daraufhin kam ein Blechblasinstrumentenbauer aus Rostock auf die Idee, eine Kopie vom guten Stück anzufertigen, bevor es nach Nürnberg ins Museum wandern sollte. Für die reichen Verzierungen brauchte er einen Experten. So stieß er auf Carola Frericks, die Graveurmeisterin aus Schwerin.
Die ließ sich nicht zweimal Bitten. Vorsichtig zeichnete sie auf dem neuen Messing-Instrument die Linien vor. Dann schob sie mit spitzem Werkzeug, dem Stichel, über die Zeichnung. Dabei lösten sich kringelnd Späne. Vor jedem weiteren Stich träufelte sie ein wenig Öl auf die Stelle. Dadurch erhielt die Handgravur ihren charakteristischen Glanz. Anschließend wurde sie mit einer hauchdünnen Silberschicht überzogen.
Viele Stunden hat Carola Frericks in die Trompeten-Kopie gesteckt. Nicht alles, was sie anpackt, ist so zeitaufwendig. Auch Ringe, Uhren oder Becher aus Edelmetall, die sie mit feinsten Ornamenten, Monogrammen und Wappen schmückt, brauchen ihre Zeit. Viel Kraft und Konzentration ist vonnöten. Und immer auch tragen die schwungvollen Linien ein wenig ihrer persönlichen Handschrift.
Carola Frericks hat lange hin und her überlegt, bis sie die eigene Werkstatt aufmachte. Schon als es sie 1999 nach Schwerin verschlug, erkundigte sie sich bei den Handwerkskammern im Land, ob es irgendwo einen Meister des Graveurhandwerks gebe.
Doch da fand sich niemand. „Das ist jetzt deine Chance“, dachte die gebürtige Magdeburgerin. „Mach das endlich“, drängelten immer wieder ihre Freunde. Die Aufregung war groß. Doch erst nach sieben Jahren wagte sie den Schritt. Im Mai 2006 eröffnete sie in der Franz-Mehring-Straße ihre eigene Werkstatt, um das zu tun, was sie als junges Mädchen gelernt hatte. Ende der 1970-er Jahre besuchte sie die einzige Klasse in der DDR, in der Graveure ausgebildet wurden.
Schon damals war sie eine Exotin und ist es bis heute geblieben. Festgestellt hat sie, dass viele Schweriner gar nicht wissen, dass es in der Stadt wieder einen echten Graveur gibt. Zu lange gab es dieses Handwerk in Schwerin nicht mehr.
Carola Frericks selbst hat sich inzwischen einen Kundenstamm aufgebaut, der von Hamburg bis Neubrandenburg reicht. Häufig sind es Goldschmiede, die ihr etwas zum Gravieren schicken. Hin und wieder schaut auch jemand persönlich vorbei, um ein Erbstück aufarbeiten zu lassen. Mal sitzt sie gebeugt über Zinnbechern, Kerzenständern und Feuerzeugen, mal graviert sie Monogramme, Familienwappen in Bestecke oder Zunftzeichen auf Schilder.
Zumeist sind es Edel- und Bundmetalle wie Gold, Silber, Kupfer, Messing, Aluminium oder Zink, die sie bearbeitet. „Gehärteter Stahl ist zu hart“, sagt sie. „Da reicht meine Kraft nicht aus.“ Doch das hält sie nicht auf. Nachdem sie ihre ganze Energie in eine Handgravur gesteckt hat, setzt sich die Meisterin an eine computergesteuerte Maschine, um eben andere Dinge wie Schilder aus Metall und Kunststoff anzufertigen. „Ich habe so einen tollen Beruf“, schwärmt sie. „Das ist immer wieder ein gravierend schönes Gefühl.“