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Multitalent auf der Bühne

Josefin Ristau ist seit dieser Spielzeit festes Mitglied im Ensemble des Staatstheaters Schwerin
Derzeit spielt Josefin Ristau die Gerda in der „Schneekönigin“. In Schwerin war sie zuerst bei den „Producers“ zu sehen. Foto: Anja Zuchold
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Derzeit begeistert Josefin vor allem die Jüngsten: Sie spielt die Gerda in der „Schneekönigin“, dem Weihnachtsmärchen des Staatstheaters. Die Proben dafür, sagt sie, seien „sehr intensiv, aber auch sehr schön“ gewesen. Kurz vor der Premiere, zwischen einer Vormittags- und einer Nachmittagsprobe plauderten wir in der Theaterkantine ein bisschen mit der 24-Jährigen. Sie erzählte zum Beispiel, wie sie dank eines Freundes und eines freien Tages zum Schweriner Theater kam, welchen Prominenten sie nicht getroffen hat und wie Kinder sie fit halten.

Bereits mit vier Jahren begann die gebürtige Neubrandenburgerin, Ballettunterricht zu nehmen, und war später viele Jahre mit dem Kinder- und Jugend­tanzensemble Neubrandenburg unterwegs. Ihre musikbegeisterten Eltern (die Mutter Musiklehrerin und der Vater Hobby-Gitarrenspieler) unterstützten sie. Aber als ihre Josefin andeutete, die darstellende Künste wären eventuell auch etwas für ihren Berufsweg, sagte ihre Mutter: „Mädchen, schau dir das Theater doch erstmal bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) genauer an.“ Das tat sie – und war damit die erste FSJlerin beim Theater Neubrandenburg- Neustrelitz.

Gleichzeitig bewarb sie sich für die Stage School Hamburg. Sie bestand die Aufnahmeprüfung und studierte von 2010 bis 2013 in der Hansestadt Tanz, Schauspiel und Gesang. Um sich das Geld fürs Studium zu verdienen, jobbte sie nebenbei im legendären „Hotel Atlantic“. Berühmt ist das Haus vor allem dadurch, dass Udo Lindenberg dort residiert. Aber getroffen hat sie den Panikrocker nie – Josefin arbeitete in der Frühschicht.

Ein guter Freund von ihr, dem sie auch in ihrer Hamburger Zeit verbunden blieb, ist Christoph Bornmüller, in der vergangenen Spielzeit noch festes Mitglied des Staatstheater-Ensembles. „Als wir uns mal wieder trafen, erwähnte er nebenbei, dass in Schwerin noch ein Multitalent gesucht wird für das Mel-Brooks-Musical ‚The Producers‘“, erinnert sie sich, „jemand, der singen kann und steppen und tanzen und sprechen.“ Also genau das Richtige für Josefin. Und einen Job suchte sie sowieso gerade. Allerdings war sie in jenen Tagen gerade sehr beschäftigt mit dem Abschlussprojekt der Stage School: Sie spielte im Hamburger Kul­tur­zen­trum „Kampnagel“ mit beim Musical „Disney Camp Rock“. Wie der Zufall es aber so wollte, hatte sie kurz nach dem Gespräch mit Bornmüller einen freien Tag. Den nutzte sie gleich, um sich für die „Producers“ zu empfehlen.

Es passte perfekt, sie war dabei. Und sie durfte dann als freies Ensemble-Mitglied in der Spielzeit 2013/14 noch in weiteren Inszenierungen mitwirken, zum Beispiel beim Musical „Sonnenallee“, beim Liederabend „Weltall, Erde, Mensch“ und beim Schauspiel „Romeo und Julia“, das im Domhof aufgeführt wurde und auch im nächsten Sommer wieder gezeigt wird. An Shakespeares Drama, inszeniert hier übrigens von Christoph Bornmüller, hatte sie besonders viel Freude: „Das war nach all den musikalischen Stücken, die mir auch großen Spaß bereiten, endlich mal ganz normales Sprechtheater.“
Seit Beginn der jetzigen Spielzeit hat sie nun einen festen Vertrag am Staatstheater Schwerin.

Nach der „Schneekönigin“, deren letzte Vorstellung am 22. Dezember läuft, wird es im Februar dann als nächstes doch wieder musikalisch für das Neubrandenburger Multitalent: „Ich freue mich schon sehr auf die ‚Rocky Horror Show‘ – eine spartenübergreifende Inszenierung mit Band“, sagt sie.
Dafür muss sie nicht nur Text und Choreografie beherrschen, sondern auch sonst fit sein. Kein Problem für Josefin, denn Sport treibt sie ohnehin viel und gern. „Ich habe zu meiner Studienzeit ja quasi jeden Tag trainiert, da hört man nicht so einfach auf“, sagt sie. Unter anderem joggt sie regelmäßig und betreibt Yoga. Zudem wird Josefin durch einen fröhlichen Schwung Kinder auf Trab gehalten: An der Musik- und Kunstschule „Ataraxia“ gibt sie Vier- bis Elfjährigen Ballettunterricht. „Ich mache das sehr gern“, sagt sie. „Durch die Arbeit mit den Kindern bekomme ich auch gleichzeitig ein bisschen Abwechslung zwischen den vielen Proben.“
Bestimmt haben so einige ihrer Eleven das Weihnachtsmärchen gesehen und sich gefreut, dass ihre Josefin den Kay vor der bösen Schneekönigin gerettet hat.
Stefan Krieg