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Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen...

Neue alte Farbe: Das Gebäude am Alten Garten erstrahlt jetzt in Ocker.
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...und das Theater lädt zum Fest: Schweriner Spielstätte wird 125 Jahre alt

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute am Alten Garten, wo das 125 Jahre alte Gebäude des Mecklenburgischen Staatstheaters steht.

Am 3. Oktober 1886 ging im neuen Schweriner Theater auf dem Alten Garten das Licht an. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Das neu eröffnete Haus war eines der ersten, das Ende des 19. Jahrhunderts in Schwerin über eine elektrische Beleuchtung verfügte – das städtische Elektrizitätswerk ging erst 18 Jahre später in Betrieb. Es gab auch einen ganz konkreten Grund, warum das neue Theater keine Gaslaternen, sondern eine eigene Anlage zur  Stromerzeugung bekam: Der Vorgängerbau an gleicher Stelle war bei einem Feuer im Jahr 1882 bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Wertvolle Kostüme und Kulissen, Requisiten und Dokumente wurden ein Raub der Flammen.
Als Oberbaurat Georg Daniel, unterstützt von Gustav Hamann und Karl Raspe, die neue Spielstätte konzipierte, spielte deshalb der Brandschutz eine entscheidende Rolle. Treppen bestanden aus Eisen bzw. aus Stein und Wände waren massiv gemauert. Sogar das Löschwasser für den Fall der Fälle wurde im Haus bereitgehalten: Insgesamt 40.000 Liter Wasser fassten die Speicher in den Türmen des Bühnenhauses. Der Obermaschinenmeister des 1. Hoftheaters in München, Karl Lautenschläger, projektierte Bühnenmaschinerie und Licht. So bekam die Schweriner Bühne eine ausgeklügelte Beleuchtung, die es zuvor im deutschen Reich nur in München gegeben hatte.
Abgesehen von der modernen technischen Ausstattung durfte das Theater in den Zuschauerbereichen seine ganze Pracht entfalten. Der Bauherr, Großherzog Friedrich Franz III., erhielt eine repräsentative Loge, die er durch einen separaten Eingang betrat. Im Innern des Hauses dominierte neobarocke Üppigkeit in Formen und Dekoren. Auch Vestibül und Konzertsaal wurden prächtig ausgestattet. Außen entschied sich Planer Daniel für einen Prachtbau im Stile italienischer Villen der Hochrenaissance. Allerdings musste er Abstriche an seinem ursprünglichen Entwurf machen, denn der Großherzog verlangte Sparsamkeit. Schließlich hatte er ja unmittelbar nach dem Brand auch noch ein Übergangstheater mit 1100 Plätzen auf dem Bahnhofsvorplatz errichten lassen, welches bis zur Eröffnung des Neubaus genutzt wurde.
Wer heute im Zuschauerraum Stuck, Samt und Vergoldungen bewundert, wird die Sparmaßnahmen des 19. Jahrhunderts gar nicht bemerken. Sogar der Schmuckvorhang aus dieser Zeit ist noch erhalten, der heute zu den wertvollsten Ausstattungsstücken des Hauses gehört und nur zu besonderen Gelegenheiten aufgezogen wird.
Als 1918 Großherzog Friedrich Franz IV., Sohn des Erbauers, abdankte, war die Zeit des Hofthea-ters vorbei. Das Landestheater nutzte nach Gründung des Freistaates Mecklenburg-Schwerin sogar dessen neu gebildeten Landtag. Im Konzertsaal fanden Sitzungen des Parlaments statt, Foyers dienten als Fraktionsräume. 1926 erhielt das Haus den Namen Mecklenburgisches Staatstheater.
Im Jahr des 125. Geburtstags geht auch die Sanierung des Prunkbaus zu Ende. In den zurückliegenden Jahren erhielt das Theater nicht nur neue Stühle, sondern auch eine neue Bühnenmaschinerie, ein neues Dach und neue Farbe. Der Anstrich in Ocker ist der ursprünglichen Farbgebung des Hauses nachempfunden, die bei restauratorischen Untersuchungen der Fassade zum Vorschein kam. Und auch im 125 Jahre alten, neuen Theater steckt wieder ein ganz modernes Innenleben, das Effekte und Illusionen per Computer steuert, dank moderner Lüftungsanlage und bequemer Sessel Kunstgenuss garantiert und mit rundum erneuerten Prachträumen wie dem Konzertfoyer und dem Zuschauerfoyer glänzt.
Apropos Sessel. Bei seiner Eröffnung vor 125 Jahren hatte das Haus weit mehr Plätze als heute – 540 sind es aktuell. Dafür sitzen die Theaterbesucher bequemer, können die Füße ausstrecken und müssen im dritten Rang nicht mehr die Hälse recken. Allein dort gab es nämlich im 19. Jahrhundert 280 Sitz- und Stehplätze, heute sind es ganz oben 85 gemütliche rote Sessel. Eins allerdings hat sich nicht verändert: Noch immer ist das Theater ein Haus, in dem Kunst zu Hause ist. Das wird gefeiert – mit einer Festwoche vom 28. September bis 8. Oktober.