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Das Leben ist ein Ponyhof

Moni Zelck lässt mit ihrer Reittherapie Groß und Klein über sich hinaus wachsen
Schön aufrecht und stolz sitzt Leonie auf dem Pferd. Reittherapeutin Moni ist zufrieden mit den Fortschritten der Elfjährigen. Foto: Anja Bölck
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Noch bevor Simona Katja Zelck laufen konnte, setzte ihr Opa sie auf den Rücken eines Pferdes. Von da an war sie vernarrt in die Vierbeiner und träumte davon, Pferdewirtin zu werden. Doch das Leben ist nicht immer ein Ponyhof. „Du bist zu klein und zierlich und hast keine Kraft“, sagte man ihr und weg war der Lehrstellenplatz. Daraufhin wurde sie Kinderpflegerin. Doch die Liebe zu den Pferden blieb, wenn auch vorerst als Hobby.

Eines Tages fragte sie jemand im Reitstall, ob sie einem Jungen mit Gleichgewichtsstörungen ein wenig Therapeutisches Reiten geben könne. „Gern“, dachte die Pampowerin und staunte nicht schlecht, als bei dem Achtjährigen einige Zeit später die Stützräder vom Fahrrad abgebaut werden konnten. Daraufhin kam ein Kind zum anderen. Darunter ein Mädchen, das anfangs verkrampft auf dem Pferd saß und nach einem Jahr beim Zirkus akrobatisch auf dem Pferd turnte. Oder ein vierjähriges Kind, das auf dem Ponyrücken anfing zu sprechen.

Moni, wie sie von allen gern genannt wird, sah, wie die Kinder wuchsen – ihr Selbstbewusstsein, ihr Gleichgewichtssinn, ihre Muskeln. Heute weiß sie, dass allein das Sitzen auf dem Pferderücken so viele Impulse setzt, dass dadurch steife Muskeln locker und schlaffe Muskeln fest werden.
Weil der Reitunterricht Moni so einen Spaß machte und Reittherapie in der Region kaum angeboten wird, zumindest nicht von ausgebildeten Leuten, beschloss sie, die zweijährige nebenberufliche Ausbildung zur zertifizierten Reittherapeutin und Reitpädagogin anzupacken. Geistig Behinderte, MS-Patienten, Angstpatienten, Kinder mit Schulängsten oder Sprachstörungen – sie alle kommen nun zu ihr. Auch Kindergeburtstage und Ponyreiten in Kitas bietet die Reittherapeutin an. „Der Kleinste, der zu mir kommt, ist jedenfalls 20 Monate alt, der Älteste 45 Jahre“, erzählt die 34-Jährige stolz.

Anfang des Jahres war es endlich soweit: Moni erfüllte sich ihren Kindheitstraum. Sie pachtete in Holthusen ihren eigenen Ponyhof, idyllisch gelegen mit Stall und allem drumherum. „Der Hof stand über zehn Jahre leer und war komplett zugewuchert“, blickt sie zurück. „Wir mussten eine Menge Arbeit reinstecken und werden es auch weiterhin tun müssen.“ Mit „wir“ meint sie auch ihren Mann Torsten Zelck, der sich scherzenderweise als Bob der Baumeister bezeichnet.

Er selbst arbeitet im Opens external link in new windowSanitätshaus Kowsky in Schwerin Süd. „Auch er hat viel mit Menschen zu tun, die ein Handicap haben“, erzählt Moni. „So können wir uns über Krankheitsbilder austauschen. Gern hilft er mir bei Patienten, die beispielsweise einen passenden Sitzkeil beim Reiten brauchen.“ Das Schönste aber ist, dass das Sanitätshaus Kowsky sich für das begeistert, was Moni sich mit ihrer Reittherapie aufgebaut hat. Sie erzählt voller Freude: „Um unsere Arbeit mit den Behinderten zu unterstützen, haben wir vom Sanitätshaus eine spezielle Rampe gesponsert bekommen, auf der meine Rollstuhlpatienten raufgefahren werden und dann direkt auf den Pferderücken überwechseln können. Die Rampe wurde extra maßgefertigt.“
Inzwischen hat Moni auch einen Namen für ihren Hof gefunden. „Hier summen viele fleißige Hummeln herum“, erzählt sie. „Also nenne ich ihn einfach Hummelhof Holthusen.“