Bauen

"Auf stadtgeschichtlich interessantem Terrain"

Bauarbeiten am Schlachtermarkt liegen im Plan / Landesarchäologe zieht Zwischenbilanz der Grabungen
Die auf dem Schlachtermarkt freigelegten Fundamente werden dokumentiert und anschließend bis zu einer Tiefe von 0,85 Metern abgetragen.
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Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen und Grabungsleiter Peter Kaute haben am 24. April 2019 eine vorläufige  Zwischenbilanz der archäologische Begleitung der Tiefbauarbeiten auf dem Schweriner Schlachtermarkt gezogen. Freigelegt wurden die Reste einer mittelalterlichen Häuserzeile samt davor verlaufender Straße. In den ehemaligen Hofbereichen fanden sich mehrere Fässer, die als Entsorgungsschächte genutzt wurden. Nach dem Stadtbrand 1651 wurden die Häuser in veränderter Form wieder aufgebaut. Zahlreiche Funde erzählen von den Menschen, die in den Häusern lebten und in den Kellern ihre Vorräte lagerten, Handel trieben oder einem Handwerk nachgingen.

Auch drei Skelette wurden geborgen. Für Grabungsleiter Peter Kaute waren sie keine Überraschung: „Der Begräbnisort war bereits in historischen Quellen als alter Friedhof erwähnt worden. Die Skelettfunde stammen vermutlich aus der Frühzeit der Stadtgründung.“ Die Knochen im Bereich der Grabung wurden geborgen und untersucht. Alle Funde werden vom Landesamt dokumentiert.

Die Grabungen erfolgten in Absprache zwischen dem  Landesamt und der Landeshauptstadt als Auftraggeberin bis zu einer Tiefe von 1,50 Metern entlang der jeweiligen Leitungstrassen, Hausanschlüsse und an den Baumstandorten. Baudezernent Bernd Nottebaum sagte beim Ortstermin auf dem Schlachtermarkt: „Wir befinden uns hier auf stadtgeschichtlich interessantem Terrain, sodass wir selbst sehr gespannt auf den archäologischen Abschlussbericht sind. Wir bedanken uns für die Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege bei der archäologischen Begleitung dieser wichtigen Baumaßnahme.  Es gab viele Funde, die Stadtgeschichte müssen wir aber nicht umschreiben. Und auch der Bauablauf wurde nicht beeinträchtigt, denn die Grabungen wurden bei der Planung berücksichtigt.“ Es wird weiterhin von einer Gesamtbauzeit der Maßnahme bis Ende April 2020 ausgegangen.

Derzeit werden unterirdische Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert sowie Fernwärmeleitungen neu verlegt. Nach der Dokumentation durch die Archäologen werden die Funde früherer Fundamente und Gewölbe bis zu einer Tiefe von 0,85 Metern abgetragen und dann die neuen Tragschichten aufgebaut. Der Platz wird dunkel gepflastert, durch ein helles Pflasterband eingefasst und mit Bänken, versenkbaren Elektroanschlüssen und Papierkörben ausgestattet. Die Straße soll asphaltiert werden.
Der Platzbereich am Brunnen bleibt in bisheriger Höhensituation erhalten. Der alte Baumbestand wird durch 18 Neupflanzungen ersetzt. Durch die Neupflanzungen kann das vorhandene Baumraster zugunsten einer variableren Nutzbarkeit des Platzes verändert werden. Im südlichen Parkplatzbereich werden 16 Stellplätze geschaffen, zwei mehr als bisher. Die Umgestaltung des Platzes wird  für die Landeshauptstadt ca. 2,3 Millionen Euro kosten. Das Land fördert den Eigenanteil der Stadt mit 75 Prozent.

Die Schweriner Altstadt ist entsprechend Denkmalschutzgesetz M-V als Bodendenkmal erfasst. Das bedeutet: Eingriffe in das Erdreich müssen grundsätzlich archäologisch begleitet und dokumentiert, Funde geborgen werden. Den Schlachtermarkt gibt es erst  etwas mehr als 100 Jahre. Der Platz war früher durch Häuser hinter dem Rathaus eng bebaut. Der Blumen- und Gemüsemarkt entstand 1886 bis 1897 durch Abriss der westlichen Häuserzeile in der Schlachterstraße, der so genannten „Riege“. Die Schlachterstraße, die dem Platz seinen Namen gab, existiert schon seit 1799. Die Häuser der Schlachterstraße entstanden in der heutigen Gestalt überwiegend im 18. und 19. Jahrhundert.