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Viel Leidenschaft für Geschichte

Dr. Florian Ostrop ist Historiker und stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Mecklenburg
Der 47-Jährige vor seiner Arbeitsstätte am Schleswig-Holstein-Haus Foto: S. Krieg
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Mit Geschichte, besonders der Meck­lenburgs, kennt sich Florian Ostrop ziemlich gut aus, was für ihn als stellvertretenden Geschäftsführer und wissenschaftlichen Mitarbeiter der Opens external link in new windowStiftung Mecklenburg durchaus hilfreich ist.
Dabei stammt der 47-Jährige gar nicht „von hier“. Geboren wurde er in Berlin-Charlottenburg, wo er auch aufwuchs – bis auf einen kleinen „Auslands­aufenthalt“ in Bay­ern: Zwei Jahre Grundschule absolvierte er in München, weil sein Vater in dieser Zeit dort beruflich zu tun hatte. Sein Abi machte er aber in Berlin, und danach lernte er beim „Tagesspiegel“ Verlagskaufmann.

„Mit meiner Lehre habe ich im September 1989 begonnen, eine aufregende Zeit“, erinnert er sich. Nebenan, im Ostteil der Stadt, demonstrierten die Leute für eine bessere Zukunft, die dann spätes­tens mit der Maueröffnung tatsächlich eingeläutet wurde. „Wir haben damals wegen der immer neuen Ereignisse ständig Extra­blätter veröffentlicht, manch­mal sogar zwei am Tag, die uns die Leute förmlich aus der Hand gerissen haben“, erzählt Ostrop.
Die neunziger Jahre im frisch wiedervereinigten Berlin hat er als „sehr kreativ“ in Erinnerung. Er meint damit vor allem die Club- und Musikszene der Stadt. Ostrop selbst spielte in einer Funk-Band namens Hagasash Saxophon. In der ganzen Stadt habe das Septett seinerzeit Konzerte gegeben – und sogar außerhalb. Dabei waren sie mit einem eigenen Bandbus unterwegs. Ein bisschen Geld verdienten sie auch. Schmunzelnd sagt er: „Das war schon fast professionell. Na, viertelprofessionell war‘s bestimmt.“

Nach seiner Ausbildung hatte der Berliner ein Studium an der Freien Universität begonnen: Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Politik. Eine Arbeitsstelle fand er nicht gleich. Seine Partnerin hatte eine, und zwar in Wismar. Also zog er 1998 kurzentschlossen mit ihr um in die Hansestadt und suchte von dort weiter nach einem Job. Eine ungefähre Vorstellung von seiner Tätigkeit hatte er schon lange: „Ich wollte immer lesen und schreiben“, sagt er. Da war er bei der Ostseezeitung genau richtig. Das Blatt stellte ihn als sogenannten festen freien Mitarbeiter für den Wismarer Lokalteil ein. Nächste Statio­nen als Journalist waren ein Immobilienmagazin und der Warnow Kurier in Rostock von 1999 bis 2000.

Danach ging‘s wieder rein in sein eigentliches Metier: Bis 2001 arbeitete er für den Verein Geschichtswerkstatt Rostock. Da hatte er aber auch schon seine Doktorarbeit im Hinterkopf: Er recherchierte parallel ein wenig über „Zwangsarbeit in Wismar als Fallstudie für Mecklenburg“.
Das passte perfekt zu einem Projekt der Geschichtswerkstatt, das er leitete: Ehemalige Zwangsarbeiter aus Frankreich und Weißrussland reisten nach Deutschland, um sich ihre damaligen Wirkungsstätten anzuschauen. In das Besuchsprojekt eingebunden waren auch Zehnt- und Zwölftklässler aus Rostock, die mit den Gästen sprachen und Tafeln für eine Ausstellung gestalteten. Dann stürzte er sich richtig auf seine Doktorarbeit. Im Jahr 2005 hat er sie erfolgreich verteidigt und darf sich seitdem Doktor nennen. „Der Titel war mir aber nicht so wichtig“, betont er. „Vor allem wollte ich ein Buch über diesen Teil Zeitgeschichte schreiben.“

Ab 2006 saß er dann plötzlich „auf der anderen Seite des Schreibtischs“, wie er es formuliert. Denn er arbeitete als Lektor für den Hins­torff Verlag in Rostock. „Ich war Geburtshelfer für Bücher“, fasst er seine damalige Tätigkeit kurz zusammen. Das Schreiben seiner Doktorarbeit sei jedenfalls eine sehr gute Vorbereitung darauf gewesen. Er befasste sich bei dem Verlag mit der Sachbuchsparte, zum Beispiel mit maritimer Literatur – und Geschichte.
Er mochte die Arbeit sehr gern. Wenn da bloß nicht diese Fahrerei gewesen wäre: Durchs ständige Pendeln zwischen Wismar und Rostock ging ihm viel Zeit verloren, die er gern mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Nele und Hannah verbracht hätte, die mittlerweile 15 und 12 Jahre alt sind.

Als die Stiftung Mecklenburg einen stellvertretenden Geschäftsführer und gleichzeitig wissenschaftlichen Mitarbeiter suchte, nutzte er die Gunst der Stunde, stellte sich vor und bekam die Stelle. Seit Frühjahr 2014 ist Ostrop nun für die Stiftung mit Sitz in Schwerin tätig. Hier kümmert er sich hauptsächlich um das „Opens external link in new windowVirtuelle Landesmuseum Mecklenburg“, gibt aber unter anderem auch Bücher der stiftungseigenen Schriftenreihe heraus. Derzeit bereitet er den Band „Weihnachtsbräuche in Mecklenburg“ vor, der am Jahresende erscheinen soll.

Da es sich bei seiner Tätigkeit für die Stiftung um einen Halbtagsjob handelt und er nur dreimal die Woche in Schwerin weilt, bleibt ihm Zeit, auch andere Projekte umzusetzen, manchmal rein steckenpferdmäßig, hin und wieder aber auch für ein Honorar. Bei der Geschichtswerkstatt ist er nun ehrenamtlich aktiv. „Hobby und berufliche Tätigkeit fließen bei mir oft ineinander“, sagt er.
Das jüngste Projekt, an dem er beteiligt war, hatte eher am Rande mit Historie zu tun. Die Uni Ros­tock und die Antonio-Amadeu-Stiftung (über einen Trägerverein) widmeten sich dem Themengebiet Homosexualität und Transgender. Ostrop arbeitete hier auch wieder mit Schülern (aus Rostock und Wismar) zusammen. S. Krieg