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„Mehr als 100.000 Einwohner“

Interview mit Schwerins Stadtpräsidenten Stephan Nolte zu 25 Jahre Landeshauptstadt Schwerin
Stadtpräsident Stephan Nolte
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In diesem Jahr feiern wir 25 Jahre Mecklenburg-Vorpommern und 25 Jahre Landeshauptstadt Schwerin. Zeit für ein Interview mit Schwerins Stadtpräsidenten Stephan Nolte.

Herr Nolte, am 27. Oktober 1990 wurde Schwerin Hauptstadt des neu gegründeten Landes Mecklenburg-Vorpommern. Lebten Sie zu dem Zeitpunkt noch in Ihrer Heimat Wuppertal, einer Partnerstadt Schwerins, oder haben Sie den Beschluss bereits hier gefeiert?
Mein Lebensmittelpunkt war damals noch Bonn, wo ich nicht ahnte, dass ich bereits im März 1991 eine neue interessante Aufgabe in Schwerin übernehmen  würde. Seit 1992 lebe ich in Schwerin und fühle mich hier sehr wohl.

Ab wann haben Sie sich in der Stadtpolitik engagiert, und hätten Sie seinerzeit gedacht, dass Sie mal Stadtpräsident werden?
Zur Wahl der Stadtvertretung bin ich im Juni 1999 erstmals auf Vorschlag der CDU angetreten, weil ich mich für unsere Stadt engagieren wollte. Gewählt wurde ich dann erst im zweiten Anlauf 2004. Dass ich später einmal zum Stadtpräsidenten gewählt werden würde, habe ich damals weder in Erwägung gezogen noch für möglich gehalten.

Verwaltung und Kommunalpolitiker unserer Stadt fühlen sich manchmal etwas vom Land vernachlässigt, dabei geht es vor allem um die finanzielle Ausstattung. Wie hat sich das Verhältnis zwischen dem Land und seiner Hauptstadt aus Ihrer Sicht in den jetzt fast 25 Jahren entwickelt? Und sehen Sie sich als jemand, der sowohl der Stadtvertretung vorsitzt als auch in der Landtagsverwaltung arbeitet, manchmal ein wenig im Zwiespalt?
Es ist kein Schwerin-Problem, dass Städte mit der Struktur unserer Stadt – eine Wirtschaft im Umbruch, noch immer viele Langzeit-Arbeitslose und Familien, die auf öffentliche Hilfe angewiesen sind – wegen der damit verbundenen Ausgaben im Sozial- und Jugendhilfebereich große Schwierigkeiten haben, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das Land hilft uns im Rahmen der Theaterreform durch finanzielle Überbrückungshilfen und wird durch die Beteiligung an der Trägerschaft des Staatstheaters dessen Bestand langfristig sichern.
Im Übrigen bin ich dem Innenministerium durchaus dafür dankbar, dass wir nach Vorlage des Berichts des beratenden Beauftragten, der ja auch keinen „Königsweg“ aufzeigen konnte, in einem zugegebenermaßen mühsamen und kontroversen Dialog um eine Lösung für die Finanzmisere ringen, die Finanzhilfen aus dem Konsolidierungsfonds einschließt. Mir ist, nicht zuletzt auch als Mitarbeiter der Landtagsverwaltung, bewusst, dass uns das Land ohne erhebliche eigene Anstrengungen nicht helfen kann und wird.

Viele Bürger meinen, es sei ein großer Glücksfall gewesen, dass Schwerin Landeshauptstadt wurde, weil die einstige Bezirksstadt sonst – wahrscheinlich unter einem übermächtigen Rostock – zu sehr an Bedeutung verloren hätte. Sehen Sie das auch so?
Wenn es nicht so gekommen wäre, hätte sich Schwerin auf jeden Fall anstrengen müssen, als zweitgrößter Wirtschaftsstandort neben Rostock und auch Neubrandenburg bestehen zu können. Es war vor dem Hintergrund der historischen Rolle unserer Stadt als Haupt- und Residenzstadt mit den entsprechenden Gebäuden eine kluge Entscheidung, dass Schwerin wieder Landeshauptstadt geworden ist. In den obersten Landesbehörden gibt es sichere und anspruchsvolle Arbeitsplätze, die zur überdurchschnittlichen Kaufkraft in Schwerin beitragen. Dies enthebt uns Stadtpolitiker nicht von der Aufgabe, die Rahmenbedingungen auszubauen, dass sich hier weitere Unternehmen ansiedeln und gut entwickeln.

Was hat Schwerin in den vergangenen 25 Jahren erreicht, worauf die Stadt besonders stolz sein kann?
Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren großartig entwickelt. Insbesondere mit der BUGA 2009 und mit dem Jubiläum „850 Jahre Schwerin“ 2010 hat sich der Blick der Schwerinerinnen und Schweriner auf ihre Stadt sehr ins Positive gewandelt. Die Bürgerinnen und Bürger sind – zu Recht – stolz auf ihre Landeshauptstadt, engagieren sich in vielfältiger Weise und sind die besten Werbe-Botschafter  für Schwerin. Bei allen Erfolgen in der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung, im Städtebau, Kultur- und Sozialbereich ist dies für mich das Wichtigste, weil es nachhaltig in die Zukunft wirkt.

Was gilt es aus Ihrer Sicht, in unserer Stadt binnen der nächsten 25 Jahre zu erreichen, abgesehen von der Haushaltskonsolidierung?
Mit der Eintragung des Residenz-Ensembles mit dem Schloss als Mittelpunkt in die UNESCO-Welterbe-Liste und vielleicht einer zweiten BUGA 2029 wird Schwerin ein Tourismus-Standort, an dem im Norden Deutschlands keiner vorbeikommt. Der Industriepark Göhrener Tannen wird sich nach der Erweiterung des Nestlè-Werkes und weiteren Ansiedlungen füllen und es werden viele neue Arbeitsplätze entstehen, die Hochschulen in privater und öffentlicher Trägerschaft werden von mehreren tausend Studierenden besucht und Schwerin wird auch durch diese Entwicklungen wieder mehr als 100.000 Einwohner haben.

Interview: Stefan Krieg