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„Ich wusste ja, was mir blüht“

Feinschmecker Mathias Schott bildet Lehrlinge aus und tritt öfter als Großherzog auf
Viele kennen Mathias Schott nur in seiner großherzoglichen Uniform. Im normalen Leben braucht der Vorsitzende des Schweriner Schlossvereins die aber nicht. Foto: S. Krieg
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Ob Großherzog Friedrich Franz II. auch so gut kochen konnte wie Mathias Schott? Wahrscheinlich nicht. Aber, das hat Schott anhand von Briefen recherchiert, „er war ein sehr zartfühlender Ehemann und liebevoller Vater.“ Jedenfalls sei ihm Friedrich Franz II. von allen Großherzögen der sympathischste. Auch deswegen mimt er gern mal den früheren Mecklenburger Herrscher.
Während Großherzog sein für Friedrich Franz II. ein Vollzeit-Job war, schmeißt sich Schott nur dann und wann in eine Uniform. Seine eigentliche Arbeit hat mit Regieren weniger zu tun. Obwohl: Er bildet in Hamburg Köche, Kellner und Hauswirtschafter aus.

Seine Leidenschaft fürs Kulinarische erwachte, als er zusammen mit seinen Eltern Ferien in Oberhof machte – im „Panorama“, dem seinerzeit wohl besten Hotel der DDR. „Wir haben dort wirklich gut gegessen. Solche Gerichte zubereiten – das wollte ich auch können“, erinnert sich der 52-Jährige. Damals war er 12 Jahre alt, und mit 14 Jahren begann, wenn man so will, Schotts Küchen-Karriere.
Er verdiente sich in den Sommerferien ein wenig Geld mit einem Ferien-Job im „Hotel Stadt Schwerin“. Nach der Schule wurde er an selber Stelle Koch-Lehrling. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete er weiter in dem Hotel, fernstudierte aber parallel an der Leipziger Hotel-Fachschule – sein Abschluss im November 1990: Ökonom (heute sagt man staatlich geprüfter Betriebswirt).

Nach der Wende zog es den gebürtigen Berliner von Schwerin nach Hamburg, wo er lange Jahre Bar und Café des Hotels „Elysee“ in Rotherbaum leitete. 2005 kehrte er in seine Heimat Schwerin zurück; er arbeitete als „Food and Beverage Manager“ wiederum in einem Hotel, wurde damit aber nicht so recht glücklich und wechselte daher ein Jahr später wieder in die Hansestadt – diesmal eben als Ausbilder. Passionierter Koch ist er immer noch, und mindestens ebenso sehr begeistert er sich für Historie.
„Der Geschichtsunterricht brachte mir nicht allzu viel, der war mir einfach zu lückenhaft“, erinnert er sich. „Es war mein Ansporn, mehr herauszubekommen, als in den Schulbüchern steht.“ Auch für Ahnenforschung interessierte sich Schott schon als Schüler. Er studierte reichlich Bücher und stieß dabei schnell auf die Mecklenburger Familie, die Großherzöge. Und schon 1983, als 19-Jähriger, begann er, Besucher durch das Schweriner Schloss zu führen.

Als Dr. Heinz Schott im Jahr 1991 den Opens external link in new windowSchlossverein mitgründete und dessen erster Vorsitzender wurde, zählte auch Sohnemann Mathias Schott zu den Mitgliedern; mittlerweile ist der Junior selbst Vorsitzender. Angeregt durch die Mittelalter-Feste, die seinerzeit groß in Mode waren, beschloss der Verein 1995, ebenfalls ein historisches Fest zu veranstalten, nur sollte sich dies auf die Zeit von Friedrich Franz II. beziehen – vor der Kulisse des Schlosses und mit Akteuren in passenden Kostümen. Das Schlossfest war geboren.

„Dann brauchen wir aber auch einen Großherzog, forderte jemand – und sofort guckten alle mich an“, sagt Schott. Allzu lange habe er nicht gezögert, die Rolle zu übernehmen. „Es war leicht für mich“, sagt er. „Ich wusste ja, was mir blüht, weil ich mich mit der Geschichte ausführlich beschäftigt habe.“ Zumindest theoretisch. An die Uniform habe er sich erst gewöhnen müssen; sie sei sehr schwer und man schwitze darin ordentlich. Andererseits fasziniere sie ihn auch: „Sobald ich die Uniform anziehe, werde ich ein anderer Mensch. Man nimmt eine ganz andere Haltung an und verändert automatisch auch seine Gestik.“
Ganz ähnlich ergehe es seinem adligen Gefolge in seinen Kostümen – und der großherzöglichen Gemahlin sowieso. Diese Rolle hatte sehr lange Zeit Ulrike Naegele inne, inzwischen spielt Schotts Nichte Annekatrin Scherneck die Frau von Friedrich Franz II. – sie passte am besten in das Kleid; ein neues anfertigen zu lassen, wollte sich der Verein nicht leisten.
Das Paar zeigt sich beim diesjährigen Schlossfest samt Fest-Umzug erneut den Bürgern. Aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten treten die beiden auf – bundesweit.

Wenn Mathias Schott mal keine Schüler ausbildet, als Großherzog unterwegs ist oder anderweitig Zeit mit dem Schlossverein verbringt, dann verreist er gern mal oder entspannt sich im Garten seines Wochenendhauses in Schwerin-Krebsförden. Viele Blumen zieren das kleine Pflanzenparadies, vor allem aber baut der Feinschmecker dort Essbares an. Wachsbohnen zum Beispiel, die man im Handel kaum noch erhalte. Und exotische Früchte wie Tay-Beeren, gelbe Himbeeren, Kiwis. „Ich koche leidenschaftlich gern Konfitüren“, sagt Schott. S. Krieg