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Der Fährmann

Frank Riedel liebt seine Arbeitsstelle auf dem Pfaffenteich
Frank Riedel (56) ist der 16. Fährmann auf dem Pfaffenteich, der erste war im Jahr 1879 Georg Diercke. Foto: S. Krieg
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„Mein Wunsch wäre es, mal in einem so richtig großen Pott vorn mit drin zu sein, vielleicht auf einer Fähre von Rostock nach Dänemark“, sagt Frank Riedel. Seit einem Jahr ist er immerhin Käpt‘n der Pfaffenteich-Fähre. Er liebt diesen Job – obwohl sein Traumberuf erst ein ganz anderer war.
Der gebürtige Schweriner wuchs in einem kleinen Ort bei Gadebusch auf, ging bis zur siebenten Klasse in Lützow zur Schule, zog dann 1974 in unsere Stadt. Was aber nach Ende der Schulzeit tun? „Wie sagt man so schön: Ein Junge möchte gern Kfz-Schlosser werden“, sagt Riedel. So sei es bei ihm jedenfalls gewesen. Fernsehmechaniker zu sein, hätte ihm auch gefallen. Für beides reichten seine Zensuren leider nicht, und ihm fehlten die nötigen Beziehungen.

Aber beim Nahverkehr wollte man den jungen technikbegeisterten Mann gern haben. Er lernte dort Elektromonteur – was mehr als nur ein Ersatz für zerplatzte Wünsche war. Die Lehre erwies sich für Riedel als gute Wahl. „Ich habe es nie bereut, zum Nahverkehr gegangen zu sein“, sagt er.
Er setzte Straßenbahnen in Stand, und kümmerte sich um die Haupt-Untersuchungen. Er war dabei, als Ende der siebziger Jahre die Tatra-Bahnen eingeführt wurden und half dann zu Beginn der neunziger Jahre auch mit, diese auf neue Technik umzurüsten.

2006 wechselte Riedel in die Buswerkstatt und wurde Tankwart. Vor zwei Jahren hatte der Nahverkehr dann aber die Werkstatt so weit modernisiert und so vieles automatisiert, dass Riedels Job einfach wegfiel. „Dann hieß es, du fährst Bus oder Bahn“, sagt er. „Oder du wirst Fährmann auf dem Pfaffenteich. Ich habe hin und her überlegt. Das Wasser mochte ich auf jeden Fall. Aber extra noch einen Binnenbootsführerschein machen?“ Die Fahr­erlaub­nisse für Bus und Bahn hatte er längst in der Tasche.
Letztlich entschied er sich für den Job auf dem Wasser. Allerdings ist er die meiste Zeit des Jahres dann doch auf der Schiene unterwegs – als Straßenbahnfahrer. Denn die Pfaffenteich-Fähre verkehrt nur von Mai bis September.

Dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr lenkt er das Gefährt vom Startpunkt am Südufer im Uhrzeigersinn von Steg zu Steg; knapp 30 Minuten dauert eine Runde. In dieser Zeit unterhält er sich gern mit seinen Passagieren, erzählt Auswärtigen das eine oder andere über seine Heimatstadt. Oft sei es jedoch auch genau andersrum. „Gerade von älteren Leuten, die schon vor Jahrzehnten regelmäßig mit dem Dampfer gefahren sind, erfahre ich viele interessante Dinge“, sagt er. Am meisten freue er sich jedoch über Kindergruppen. „Am niedlichsten ist es mit den Kleinen, wenn ich möglichst dicht an der Fontäne vorbeifahre, eine größere Freude kann ich ihnen gar nicht machen“, schwärmt er.
Das Gros der Fahrgäste genösse einfach nur die schöne Aussicht auf die Altstadt, aber vor allem diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, nutzten die Fähre schlicht als Verkehrsmittel, um vom einen Ufer zum anderen zu gelangen.

Bisher musste Riedel noch nie eine Fahrt ausfallen lassen. Auch bei unbequemem Wetter tuckert er mit seinem kleinen Pott über den Teich, obwohl es bei starkem Wind schwierig sei, die Stege anzusteuern. Er habe sich da mit der Zeit seinen eigenen Anlegestil angewöhnt. „Angst darf man dabei jedenfalls nicht haben“, sagt er.

Ausgleich zu seiner Arbeit findet der 56-Jährige Vater zweier erwachsener Söhne ganz erdverbunden: Er bewirtschaftet in Bandenitz einen Kleingarten; bis vor Kurzem war er sogar Vorsitzender der Gartensparte. Ab und zu tuckert er aber auch in seiner Freizeit auf dem Wasser umher: mit einem kleinen motorisierten Schlauchboot. Kürzlich beim Urlaub in der Schweiz durfte Frank Riedel dann übrigens doch schon mal in einem größeren Pott vorn mit drin sein: Der Kapitän des Rad-Dampfers auf dem Vierwaldstättersee ließ seinen Schweriner Kollegen mit in das Cockpit. S. Krieg