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Für Artenschutz begeistern

Dr. Tim Schikora ist seit einem halben Jahr Schweriner Zoodirektor und erfüllte sich damit einen Traum
Dr. Tim Schikora mit dem Flachlandtapir-Weibchen Chantal. Das äußerst sanftmütige Tier genießt die Streicheleinheiten des Direktors. Foto: S. Krieg
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Der Artenschutz, sagt Dr. Tim Schikora, sei die wichtigste Aufgabe von Zoologischen Gärten, wobei das Prinzip moderne Arche Noah aber nur eine untergeordnete Rolle spiele. Es ginge vielmehr darum, die Besucher aufzuklären und für die Tiere zu begeistern. „Die Besucher sollen anerkennen, dass die Geschöpfe schützenswert sind. Wenn sie so ein Tier live erleben, dann haben sie einen ganz anderen Bezug dazu“, erläutert der 34-Jährige.

Schikora sagt, er sei als Kind sehr gern und sehr viel im Zoo unterwegs gewesen. Vielleicht entwickelte sich schon in diesen Tagen sein tiefer Wunsch, später auch beruflich den Tieren nah zu sein. „Ursprünglich habe ich mal die romantische Vorstellung gehabt, rauszugehen, Naturschutzprojekte umzusetzen, zum Beispiel im Dschungel von Sumatra Tiere auszuwildern“, blickt er zurück.

Dass daraus nichts wurde, bedauert er jedoch nicht. In seiner Heimat fand er ja ein ebenso spannendes Tätigkeitsfeld: Nach seinem Biologie-Studium arbeitete er bereits wissenschaftlich in Zoos in Frankfurt am Main, in Chemnitz und in Dortmund. Schikora kümmerte sich zum Beispiel um die Tierbeschaffung, plante Gehege, entwarf Futterpläne, führte Besucher fachkundig, übernahm die Öffentlichkeitsarbeit.
Geboren wurde er in der Wüste – seine Eltern hatten damals beruflich in Saudi-Arabien zu tun. Als er zwei Jahre alt war, kehrte die Familie, zu der auch seine ältere Schwester gehört, zurück nach Deutschland – an den Niederrhein. Zwei Jahre später zogen sie in die Nähe von Frankfurt.

In Hessen verbrachte er Kindheit und Jugend. Gern erinnert er sich an die Zeit bei den Pfadfindern. „Dazu gehörten unter anderem Wanderungen und Zeltlager. Wir waren überhaupt sehr oft draußen, hatten Kontakt zur Natur. Unser Vereinsheim befand sich in einem alten Steinbruch, wo alles ein bisschen verwunschen und verwachsen war.“ Und in der heimischen Wohnung sei er „eigentlich immer“ von Tieren umgeben gewesen: „Die üblichen Haustiere eben – Katzen Schildkröten, Fische, Nager.“ Auch jetzt noch kommt er nicht ohne Haustiere aus: Ein Aquarium mit Korallen und Garnelen besitzt er ebenso wie fünf Pfeilgiftfrösche – „sehr schöne Tiere“, wie er findet. Sie stammen noch aus einem Genetik-Forschungsprojekt.

Während des Biologie-Studiums von 2002 bis 2007 schaffte er es dann doch das eine oder andere Mal in den Dschungel: In Indonesien und Malawi half er mit, Urmenschen-Fossilien auszugraben. In seiner Doktor-Arbeit befasste er sich später aber lieber mit Tieren – afrikanischen Antilopen.
Nach einem kurzen und auch für ihn selbst lehrreichen Intermezzo als Biologie-Vertretungslehrer an einem Gymnasium im Dortmunder Brennpunktviertel Nordstadt erfüllte Tim Schikora sich einen Traum: selbst einen Zoo zu leiten. In Schwerin wurde der Posten ausgeschrieben – im Februar dieses Jahres bekam er die Stelle.

Ihm sei es sehr wichtig, sich hier nicht nur in sein Büro wegzuschließen, sondern auch rauszugehen, viel mit den Mitarbeiten zu reden, die Tierpfleger, soweit es geht, in Planungen einzubeziehen. „Ich habe ein gutes Gefühl im Umgang mit unserem Personal. Ich schätze, ich werde gut angenommen“, freut er sich.
Zu tun gibt es für ihn derzeit eine ganze Menge; die beiden nächsten großen Projekte sind die Nashornanlage und ein neues Löwengehege. Und im Prinzip nebenbei, fast hobbymäßig, koordiniert er auch noch das dem Artenschutz dienende europaweite Zuchtbuch für den Brasilianischen Riesenotter.
„Manchmal“, sagt Tim Schikora, „muss ich aber einfach nur zum Entspannen raus aus meinem Büro. Dann setze ich mich vor unsere Nashörner und lasse mich von der Ruhe inspirieren, die diese Tiere ausstrahlen.“ Stefan Krieg

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