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Zur Anemonen-Blüte Start in die Saison

Vor zehn Jahren kaufte Familie Lenz die Schlossgärtnerei in Wiligrad – heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel der Schweriner
Startklar für die neue Saison in der Schlossgärtnerei: Günter Lenz und seine Tochter Anne Hanczyk laden seit dem 1. März wieder täglich nach Wiligrad ein. Fotos: Christina Schade, Beate Schöttke-Penke
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Günter Lenz hat zu unserem Gespräch einen dicken Ordner mitgebracht. Alle wichtigen Ereignisse und Erlebnisse rund um die Schlossgärtnerei in Wiligrad hält er darin fest. Der erste Eintrag erfolgte im Februar 2002. Damals, vor zehn Jahren, erwarben seine Frau Ute und er das Areal nördlich von Schwerin. Die Lübstorfer, die 13 Jahre lang die Gaststätte „Zum Oberförster“ in Seehof betrieben, hatten Lust auf etwas Neues. In Wiligrad, so hofften sie, könnten sie ein Leben und Arbeiten in und mit der Natur verwirklichen, könnten sie zusammen mit ihren drei Kindern arbeiten. Eine Rechnung, die aufging. Wiligrad ist heute ein für die Schweriner nicht mehr wegzudenkendes Ausflugsziel. Das Schloss mit seinen wechselnden Ausstellungen zieht viele Besucher an, der Park durchläuft gerade eine umfassende Verschönerungskur und die Schlossgärtnerei selbst mauserte sich in den letzten Jahren zu einem Besuchsziel, das immer wieder auf dem Wochenendplan der Schweriner steht.
Ob gemütliches Kaffeetrinken oder Sonntagsbrunch im Café, ob Jugendweihe- oder Hochzeitsfeier, ob Familientag oder Apfelfest – es gibt viele Anlässe, das naturbelassene Areal am Westufer des Schweriner Sees anzusteuern. Landeshauptstädter schwingen sich aufs Rad oder starten das Auto und genießen für ein paar Stunden die entspannte Atmosphäre. „Wenn man in den Wiligrader Wald einbiegt, dann taucht man ab in eine andere Welt. Dieses Gefühl von Zeitlosigkeit wollen wir pflegen. Groß und Klein sollen sich entspannen können“, unterstreicht Anne Hanczyk und schaut auf die große grüne Wiese, auf der im Sommer Tische und Stühle locker aufgestellt sind und Kinder mit Schaukel und Sandkasten ihre eigene Spielecke haben. Die Tochter von Günter Lenz gab vor fünf Jahren ihren Job als pharmazeutisch-technische Assistentin auf und gründete das Café im Grünen. Endlich konnten Interessierte nicht nur das Schloss besuchen und durch den Park spazieren, sondern den Ausflug vor die Tore der Landeshauptstadt auch mit einer gemütlichen Einkehr in die Schlossgärtnerei verbinden.
Dass das Café so beliebt sein würde, wie es heute ist, das allerdings hätte sich die zweifache Mutter nicht träumen lassen. Beim Start vor fünf Jahren, erinnert sich Anne Hanczyk, buk sie für die Gäste acht Bleche Kuchen; heute gehen an einem Wochenende locker 24 Kuchen über den Ladentisch. Drei feste Mitarbeiter gehören zum Team. Aushilfen kommen in Stoßzeiten dazu, denn sowohl der Kunstverein im Schloss als auch die Schlossgärtnerei selbst laden immer wieder zu besonderen Veranstaltungen ein. Einmal im Jahr wird „Kultur im Garten“ veranstaltet und im letzten Jahr beteiligte sich Familie Lenz sogar an der Aktion „Tag des offenen Denkmals“.  Hunderte Leute tummelten sich auf dem früheren Gärtnereigelände, das Herzog Johann Albrecht im Zusammenhang mit dem Schlossbau anlegen ließ. Ein Ansturm, der Günther Lenz nicht aus der Fassung bringt. Denn er schätzt das kollegiale Zusammengehen mit vielen Partnern, selbst wenn das nicht immer ohne Reibung verläuft. „Wenn Du schnell ans Ziel kommen willst, dann geh’ allein, wenn Du weit kommen willst, dann geh’ mit anderen“, zitiert der Gärtnereiinhaber ein afrikanisches Sprichwort, auf das er immer mal wieder gerne zurück kommt. Mit anderen gehen – das praktizieren in der Familie Jung und Alt seit Jahren. Sohn André, der studierte Landwirt, hat einen Job am Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig und bringt sich in seiner Freizeit doch immer wieder mit neuen Ideen ein. Tochter Maia, die zusammen mit ihrer Freundin Susanna Netz in der Schweriner Puschkinstraße die Töpferei „Loza Fina“ betreibt, steuert ihre moderne Gebrauchsgrafik seit Jahr und Tag für das Café und den Hofladen bei. „Wenn Jung und Alt zusammen arbeiten, dann kommen viele neue Ideen. Da ist jeder Tag spannend“, untermauert Günter Lenz seine Überzeugung und freut sich auf die neue Saison. Die ist am 1. März gestartet. Seitdem ist das Café in Wiligrad wieder jeden Tag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Einen Grund, sich auf den Weg zu machen, gibt es schon jetzt. Die Buschwindröschen nämlich haben im Wiligrader Wald in den kommenden Tagen ihren großen Auftritt. Anemona nemorosa – wie die krautige Pflanze botanisch genannt wird – hat unter den noch blätterlosen Bäumen ganze Flächen erobert. Die weißen Blütenteppiche – ein immer wieder entzückendes Naturschauspiel sind sie.