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MUSIK IM MINISTERPALAIS

Das Konservatorium gehört zu den schönsten Gebäuden der Schelfstadt
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Puschkinstraße 6, wo ein altes Fachwerkhaus voller Musik steckt.

Hast Du Töne?!, könnte man erstaunt ausrufen, wenn sich die Tür zu dem barocken Palais  in der Schelfstadt öffnet und ein repräsentatives Entree mit dunkler Holztäfelung und Wendeltreppe sichtbar wird. Und die Antwort müsste lauten: Natürlich haben sie hier Töne. Denn das ehrwürdige Gebäude in der Puschkinstraße 6 beherbergt das Schweriner Konservatorium.
Das Gebäude, in dem  Kinder und Erwachsene die Kunst des Musizierens lernen, entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Alte Akten im Archiv verraten, dass der Glaser Johann Jacob Schwedt 1763 ein Haus an diesem Platz errichtete. „Drei Gebäude  standen zu diesem Zeitpunkt bereits in der Straße, das Haus des Glasers war stadteinwärts das vierte“, weiß Historiker Nobert Credé. 1783 verkaufte Schwedt das Grundstück mit zwei kleineren Wohnhäusern an den Grafen von Bassewitz, seines Zeichens Geheimer Regierungsrat. „Ich gehe davon aus, dass der Graf die Häuser umbauen bzw. auf dem Grundstück neu bauen ließ“, sagt Credé. So entstand das Ensemble mit Haupthaus, Hof und Nebengebäuden. Tordurchfahrt, Stallungen und Wagenremise sind noch heute erhalten und erlauben den Blick in einen städtischen Adelshof des 18. Jahrhunderts.
In diesem Jahrhundert wuchs Schwerin in Richtung Nordosten und es entstand eine neue Siedlung auf der so genannten Schelfe. Bereits 1705 hatte nämlich Herzog Friedrich Wilhelm eine Deklaration zur Gründung einer Neustadt erlassen. Vor den Toren seiner Residenz beauftragte er ein eigenes Zentrum mit Marktplatz, Rathaus und neuer Kirche. Sogar „Fördermittel“ stellte der Herzog in Aussicht:  in Form kostenlosen Bauholzes und eines Baukostenzuschusses. So vergrößerte sich die Schelfstadt im 18. Jahrhundert stetig.
Die Puschkinstraße, die schon im 14. Jahrhundert gepflastert wurde und deshalb „Steinstraße“ hieß, ist eine der ältesten Achsen in diesem Gebiet. Mit dem Neustädtischen Palais und dem Oertzen-Palais (Schleswig-Holstein-Haus) befanden sich hier repräsentative städtische Bauten. In der Nummer 6, dem heutigen Konservatorium,  waren Mitte des 19. Jahrhunderts Minister und später auch der „Geheime Ratspräsident“ – also der Ministerpräsident - des Mecklenburgischen Staates untergebracht.
Prächtigen Parkettböden und Stuckdecken, die zum Teil erhalten werden konnten, erinnern an die glanzvolle Vergangenheit. Überhaupt zeichnet sich die 2005 abgeschlossene Sanierung des Gebäudekomplexes durch Liebe zum Detail aus. In den Stallgebäuden, die heute Schülern der Musikschule als Schlagzeugraum dienen, ist zum Beispiel die alte Pferdebox  noch erkennbar. „Diese Nebengebäude waren vor der Sanierung einsturzgefährdet“, erinnert sich Daniela Semlow, die im Konservatorium für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und fügt hinzu: „Das weiß ich deshalb so genau, weil ich damals noch für die Bauaufsicht gearbeitet und die Gebäude selbst gesperrt habe.“ Der Innenhof ist ein Kleinod, das mit einer festen Bühne als zusätzliche Veranstaltungsfläche  sehr beliebt ist. Nahezu täglich spazieren auch Touristen bei ihrer Erkundung der Stadt durch das geöffnete Tor auf den Hof der Musikschule.
„Das ist ganz in unserem Sinne“, sagt Daniela Semlow. Kommen Stadtführer mit ihren Gruppen, dürfen interessierte Besucher durchaus auch einen Blick ins Innere des Gebäudes werfen – zum Beispiel in den Kammermusiksaal, der als Dankeschön an eine engagierte Kulturförderin den Namen Brigitte-Feldtmann-Saal trägt. In diesem Saal befindet sich eine kleine Bühne, mit Stuck, Spiegeln und dem wunderbaren Parkettboden gehört er zu den Vorzeigeräumen des Hauses. Hier steht auch noch ein alter Kachelofen, in dessen Innern sich heute die Heizungsanlage versteckt. „Dafür wurde der Ofen abgetragen und um die Anlage herum neu aufgemauert“, erklärt Daniela Semlow eines von vielen interessanten Details.
Die Schweriner Musikschule nutzt das Gebäude seit 1963. Heute befinden sich im Haus und den Nebengebäuden 26 Unterrichtsräume. Die Lehrer des Konservatoriums arbeiten aber auch außerhalb des Stammhauses in verschiedenen Schweriner Schulen und Kindergärten. Schließlich sind im Konservatorium, das 1953 mit 38 Schülern eröffnet wurde, inzwischen rund 1300 Schüler eingeschrieben.