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Fast wie Jesus übers Wasser gegangen

Christos italienisches Kunstprojekt „Floating Piers“ auch in unserer Stadt machbar?
Foto: SN live
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Einmal fast wie Jesus übers Wasser gehen: Der Künstler Christo Wladimirow Jawaschew, der normalerweise nur mit seinem Vornamen genannt wird, machte es in Italien für 16 Tage möglich. Sein Kunstprojekt „The Floating Piers“ auf dem italienischen Iseo-See (in der Lombardei, östlich von Mailand) verband den Ort Sulzano mit den Inseln Monte Isola und San Paolo.
Schweriner, die Christos neuestes Werk betraten und betrachteten konnten sich vielleicht ein wenig an die Pontonbrücke erinnert fühlen, die zur BUGA über den Schweriner See führte. Sollte in unserer Stadt erneut eine Bundesgartenschau stattfinden, dann vielleicht mit einer Art „The Floating Piers, Part II“? Stellt sich die Frage, ob Christo diese dann selbst realisieren könnte. Immerhin ist der in Bulgarien geborene Künstler gerade 81 Jahre alt geworden.

Für sein Kunstprojekt auf dem Iseo-See hat der Mann keine Kosten und Mühen gescheut. Die 16 Meter breiten Stege waren insgesamt 3 Kilometer lang und bestanden aus 220.000 Polyäthylen-Schwimmwürfeln. Sie waren umspannt mit 100.000 Quadratmetern eines speziell angefertigten golden schimmernden Gewebes, das je nach Lichteinfall seine Farbe ein wenig änderte. Hierfür erhielt Christo übrigens norddeutsche Hilfe: Der Stoff wurde in Münster hergestellt und in Lübeck zusammengenäht. Beim Aufbau der schwimmenden Stege unterstützten ihn zudem 19 Studenten von der Hochschule Wismar inklusive deren Dozentin.

Das Kunstprojekt hatte vom 18. Juni bis zum 3. Juli Bestand. Christo und sein Organisations-Team rechneten vor Eröffnung mit etwa 500.000 Besuchern; am Ende waren es schätzungsweise dreimal so viele. Auch einige Schweriner genossen es, über das Wasser zu flanieren.
Selbst bei unruhiger Oberfläche konnte man während des Spaziergangs kaum seekrank werden, denn die „Piers“ waren so konstruiert, dass sie nicht wie ein Boot schaukelten, sondern sich synchron zu den Wellen bewegten. Damit sie nicht einfach abgetrieben wurden, waren sie mit 190 tonnenschweren Ankern auf dem Grund des Sees befestigt.

Jetzt wird das ganze Kunstwerk komplett abgebaut und industriell recycelt. Gekostet haben die „Floating Piers“ rund 15 Millionen Euro. Das Geld wollte Christo wieder reinholen durch den Verkauf von Skizzen, Collagen, Filmen und Fotos.