Kultur PR-Anzeige

Ausgeflippt?!

Museales Kleinod: In der Friesenstraße wird eine jahrzehntelange Freizeitkultur bewahrt, die heute der Vergangenheit angehört.
unten: Flipperautomaten aus verschiedenen Zeiten und zu unterschiedlichen Themen.
like-imagelike-image
share email
dislike-imagedislike-image

Wer seinen Fuß über die Schwelle des Schweriner Flippermuseums setzt, taucht ein in eine andere Welt. An die 80 Geräte aus sieben Jahrzehnten Flipper-Geschichte sind hier versammelt. Arne Hennes kann sich über ein jedes begeistern. Er liebt die unterschiedlichen Designs, bewundert, wie verschiedenste Spielthemen umgesetzt sind, kann sich an schön klingenden Glockenspielen erfreuen, weiß um Eigenheiten der technischen Entwicklung und kennt die verschiedenen Herstellerfirmen. Flipper sind für den 45-Jährigen mehr als nur Ball- und Geschicklichkeitsspiele. Sie stehen für eine Freizeitkultur, die jahrzehntelang das Bild von Waschsalons, Cafés, Schwimmbädern oder Pommes Buden mit geprägt hat. Allerdings fast ausschließlich im westlichen Teil Deutschlands. Heute haben Computerspiele die einst geschätzten Geräte aus der Öffentlichkeit verdrängt, gehören Flipper der Vergangenheit an. Für Arne Hennes spiegeln sie Zeitgeist wider, ein jedes Gerät erzählt eine Geschichte.  „Clipper“ beispielsweise zum Thema Flugreisen, ein Modell aus dem Jahre 1954, knüpft an den Traum des kleinen Mannes an, nach dem zweiten Weltkrieg und den bewältigten Hungerjahren, die große weite Welt bereisen zu wollen. Andere widmen sich der Beat-Generation, der Tänzerin und Spionin Mata Hari oder dem Wilden Westen. Doch auch bekannte Abenteuer- und Fantasy-Geschichten, verschiedenste Sportarten oder erfolgreiche Kinofilme sind auf Flippern gestaltet. In 16 verschiedenen Themenräumen stellen die Vereinsmitglieder, die das Schweriner Museum 2007 in der Friesenstraße 29 aus der Taufe gehoben haben, Schwerpunkte der Flipper-Geschichte dar. Ein ganzer Raum ist allein der Technik gewidmet. Hier können Besucher den Wandel des einstigen, rein mechanischen Pinball-Spiels zu elektromechanischen Geräten bis hin zu hochkomplexen und computergesteuerten Mega-Flippern nachvollziehen.

Bei seinen Rundgängen stellt Vereinsvorsitzender Arne Hennes gerne klar, dass Flipper keine Glücksspielautomaten seien, man damit kein Geld gewinnen könne. Stattdessen betont er, dass die Spiele-Dinosaurier Konzentration und Reaktionsvermögen herausfordern. Nicht virtuell sondern mit einer spürbaren und je nach Können beherrschbaren Kugel trete man ein in eine „Art Murmelspiel“, das bestimmten Regeln folgt und Geschicklichkeit erfordert. Für ihn sind die Spiele gar eine „Allegorie auf das Leben“. „Ein Flipper spielt mit der Illusion des Menschen, das Spiel im Griff zu haben. Aufgrund der Schwerkraft aber fällt die Kugel immer ins Aus. Das ist wie das Immer-Wieder-Anrennen Don Quichottes gegen die Windmühlenflügel“, erläutert Arne Hennes.

Vor fünf Jahren, zu seinem 40. Geburtstag ersteigerte der Angestellte des Datenverarbeitungszentrums, einen ersten Spielautomaten. Bald kamen ein zweiter und ein dritter hinzu. Die alte Leidenschaft aus Kindertagen in seinem Heimatort bei Trier war wieder erweckt. Ein erster Presseartikel über den heutigen Friedrichsthaler und einen, inzwischen angesteckten Kollegen führte dazu, dass Leute ihnen ihre Flipper-Automaten überließen. Aber wohin damit? So entstand die Idee für das Museum.

Den inzwischen zehn Vereinsmitgliedern ist es wichtig, die Freude am Flippern zu teilen. So öffnen sie nicht nur jeden Freitag-Abend und Sonntag-Nachmittag die Räume für Besucher, sie betreuen in ihrer Freizeit auch Kindergruppen, die hier Geburtstag feiern oder einen Ausflug machen, laden zu Turnieren ein oder ermöglichen Flipperparties. „Wir schenken den Leuten Glücksmomente. Sie gehen hier mit einem Lächeln raus“, erlebt Arne Hennes immer wieder. Das Gästebuch des Museums unterstreicht dies. Besucher schreiben von dem Spaß, den sie erlebten. Sogar die Finanzministerin des Landes hat sich schon verewigt.

Mit der Unterstützung der Schweriner Stadtoberen sieht es allerdings bescheiden aus. Die scheinen noch nicht erkannt zu haben, welch museales Kleinod sich in der Landeshauptstadt entwickelt. Etwas Vergleichbares gibt es deutschlandweit nämlich nur in Neuwied bei Koblenz oder im Ruhrgebiet in Essen. Glücklicherweise werden die Schweriner vom Flippermuseum Ruhr tatkräftig unterstützt. Dessen Idealismus ist grenzenlos. Kürzlich erst waren die Süddeutschen da und reparierten drei Tage lang die manchmal auch störanfälligen Flipper. An nun 17 Geräten mehr heißt die Devise: „Komm, wir gehen flippern.“

Das Museum ist freitags ab 20 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder 3 Euro Eintritt. Die Räume können exklusiv und außerhalb der regulären Öffnungszeitungen gebucht werden. Weitere Informationen unter www.flippermuseum-schwerin.de oder Telefon 0160 - 4744212.