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Auf der Suche nach alten Büchern

Antiquar Robert Loest hütet in seinem Laden 30 000 Werke
Seelenschatz heißt der Buchtitel dieses dicken Wälzers aus dem Jahre 1737. „Sieht beeindruckend aus“, sagt Antiquar Robert Loest, „es ist aber nur eines von vielen religiösen Erbauungsbüchern.“ Foto: Anja Bölck
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Robert Loest sieht nicht aus wie ein verstaubter Bücherwurm. Eher wie jemand aus den Karl May-Romanen. Ein Indianer. Ein Krieger, der fast täglich auf der Jagd ist. Dabei muss er nicht einmal vor die Haustür treten. Denn die Bücher kommen zu ihm in sein Buchantiquariat in der Körnerstraße 11 (Schelfstadt). Er kauft sie an oder bekommt sie geschenkt.
„So mancher, dem es weh tut, seine alten Schinken in den Container zu werfen, bringt sie zu mir.“ Auch Büchernachlässe darf er hin und wieder sichten. Im Laufe der Jahre sind auf diese Weise viele Werke zu allen erdenklichen Themen in seinen Regalen gelandet. Robert Loest sammelt am liebsten Bücher zu Spezialgebieten, egal ob Münzen, Angeln, Medizin oder Philosophie. Den größten Teil verkauft er übers Internet, manchmal bis in die USA oder Japan. „Wer heute im normalen Buchhandel einen Roman sucht, der älter als fünf, sechs Jahre ist, wird ihn kaum mehr finden“, sagt er. Deshalb spiele der Antiquarische Markt im Internet mittlerweile eine wichtige Rolle.
Um nicht einsam in all seinen Büchern zu versinken, hegt der gebürtige Leipziger und gelernte Bibliothekar, der vor zehn Jahren nach Schwerin kam, ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbarn. Viele schauen gern im Lädchen an der Ecke herein, um zu klönen oder eine Partie Schach zu spielen. Manchmal fesselt Robert Loest seine Gäste auch mit besonders alten oder edlen Büchern.
„Ich staune selbst, dass 500 Jahre alte Wälzer so gut erhalten sein können“, sagt er. „Die hatten damals wunderbares Papier. Den 52-Jährigen fasziniert es, in vergangene Welten einzutauchen. Sein Hobby aber sind Bücher zu DDR-Themen. Hier hat er sich eine richtige kleine Bibliothek geschaffen, mit vielen Büchern, die in der DDR, im Westen über die DDR oder nach der Wende zu Themen wie Kunst, Politik oder Landwirtschaft geschrieben wurde. Robert Loest möchte, „dass diese Bücher nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind nicht für den Verkauf gedacht, sondern können von Schwerinern jederzeit kostenlos ausgeliehen werden.“