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„Hier war ich glücklich“

Chefarzt Dr. Bernhard Moldenhauer verlässt die Crivitzer Frauenklinik in Richtung Ruhestand
Die schönste Seite des Chefarztdaseins: Dr. Moldenhauer besucht noch einmal zwei „seiner“ Babys und ihre Mütter auf Station. Ab sofort leitet Dipl.-Med. Ralf Lazar die Crivitzer Frauenklinik. Foto: Hultzsch
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Ein letzter Vormittag im Chefarztzimmer. Die für den sonnensehnsüchtigen Mitteleuropäer überraschendste Erkenntnis nach ein, zwei netten Plauderstunden mit Dr. Bernhard Moldenhauer lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Crivitz kann schöner sein als die Südsee. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber der Weg von „Börnard“, wie er von Einwohnern und Kollegen den Cook-Inseln nur gerufen wurde, führte tatsächlich vom Pazifik-Atoll direkt und freiwillig in die mecklenburgische Provinz. Fast fünf Jahre hatten die Moldenhauers – die Eltern und die zwei jüngeren ihrer vier Kinder – zu diesem Zeitpunkt als Entwicklungshelferfamilie auf der Inselgruppe am Ende der Welt verbracht. Die Ausstattung nicht zu vergleichen mit dem, was man aus der deutschen Klinik gewohnt ist, und auch das Team des Mediziners oft genug dem Freizeitvergnügen zugetan, genau dann, wenn der Doktor einen Notfall bewältigen muss. Im Umgang mit politischen Entscheidungsträgern ist viel Diplomatie gefragt, im Alltag viel Improvisation. „Wir mussten für den Einsatz auf den äußeren Inseln immer ein Flugzeug chartern, anders war die Strecke gar nicht zu bewältigen“, erinnert sich der Arzt. „Wenn dann die Assistenten nicht greifbar sind und irgendwo ist eine sehr schwierige Geburt – das war schon eine anderer Stress, als ich es als Arzt vorher gewohnt war.“ Spontane, natürlich Geburten sind auf den Cook-Inseln der Normalfall, ein Kaiserschnitt meist der letzte Ausweg in großer Not. Und auch diese Erfahrung bleibt nicht aus: Der Arzt kommt zu spät, ein Kind ist nach stundenlangen Wehen nicht mehr zu retten. Ein anderes Mal erleben sie das genaue Gegenteil: Das Geburtsteam wird auf eine Insel gerufen, kommt in größtem Stress an, das Kind hat nicht mehr gewartet, seine glücklichen Eltern haben ihm bereits einen Namen gegeben – Bernhard.
„Der Junge müsste jetzt auch schon 18 sein“, rechnet Dr. Moldenhauer und man meint, ein bisschen Sehnsucht zu hören. „Aber nein“, widerspricht er der Theorie, dass doch die Zeit unter tropischer Sonne die schönste gewesen sein müsse. „Mein Leben war immer schön, immer auf andere Art.“ Geboren in Potsdam und aufgewachsen in Hamburg begann seine berufliche Laufbahn mit der Theologie. „Ich wollte Priester
werden“, erzählt er, „konnte mich dann aber mit dem Zölibat nicht anfreunden und habe zur Medizin gewechselt.“ 1979 entscheidet er sich für die Frauenheilkunde und Geburtshilfe, vor allem wegen der Erfolgserlebnisse, die sich in diesem Fach stets einstellen. Viele Stationen an deutschen Krankenhäusern folgen, alle tragen ihren Teil zur persönlichen Entwicklung des Bernhard Moldenhauer bei.
Als die Familie Ende 1996 zurück nach Deutschland geht, die Südsee noch im Kopf, wartet schon einen Tag nach der Ankunft in heimischen Landen das Gespräch in Crivitz. An diesen „Kulturschock“ erinnert sich der Mediziner noch heute lebhaft: „Das waren geradezu paradiesische Zustände, die medizinische Ausstattung, das Lebensumfeld, Schulen für die Kinder, Infrastruktur – in Crivitz hat es uns auf Anhieb gefallen.“ Im Januar 1997 tritt er seinen Dienst an, seit 1998 ist er Chefarzt der Gynäkologie. „Schwester Gabi“ ruft der Doktor jede Schwester in der Klinik – egal wie sie heißt –, wenn der Schalk im Nacken wieder zuschlägt. Sein Humor ist hier legendär, ein letzter Rundgang über die Station wird begleitet von herzlichen Witzeleien nach und von allen Seiten. Alle werden ihn vermissen. Wollte er an seinem letzten Tag nicht längst schon gegangen sein? Nach 14 Jahren fällt der Abschied schwer.
Ungefähr 5000 neuen Erdenbürgern hat er in seinem Leben auf die Welt geholfen, vier eigene Kinder haben ihren Weg gemacht und stehen heute als Physiker, Flugkapitän, Jurist und angehende Medizinerin mitten im Leben. Auch seine allerletze Entbindung Ende September wird ihm ewig in Erinnerung bleiben: Mutter wurde die Tochter einer früheren Patientin, die hier vor einem halben Jahr ebenfalls ihr Kind zur Welt gebracht hat. „Sie war so angetan von der Crivitzer Klinik, dass sie ihrer Tochter die Geburt bei uns ans Herz gelegt hat – sie lebt in Kassel! Die frisch gebackene junge Oma hat also vorher den Onkel ihres Enkels bei uns auf die Welt gebracht“, berichtet Dr. Moldenhauer von dieser ungewöhnlichen Familiengeschichte.
Gewöhnlich wird auch der Moldenhauersche Ruhestand sicher nicht werden. Der passionierte Fotograf und Kleinflugzeug-Pilot ist nicht der Typ zum Einrosten. Zuerst einmal zu den Kindern, allein das ist bei rund um die Welt verstreuten Wohnsitzen eine längere Unternehmung. Und dann den Namenspaten in der Südsee besuchen? Wer weiß...
Lesen Sie in der November-Ausgabe: Der neue Chefarzt Dipl.-Med. Ralf Lazar im Porträt.

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