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Jeden Tag einen stein freilegen

Das 10. ICP-Symposium des Kinderzentrums am 5. Mai befasst sich mit dem Thema „Inklusion” .
Voll dabei: Klassenlehrerin Ines Becker (l.) und Schulassistentin Ramona Pressentin unterstützen Marten nach Kräften. Oben: Dana (r.) und Marten spielen gern ausgelassen auf dem Schulhof.
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Marten ist groß für seine acht Jahre. Seine blonden Locken umrahmen ein offenes Gesicht mit großen Augen. Er lacht gern und tobt mit den Kindern seiner Klasse auf dem Schulhof. Er ist der Typ Junge, von dem sich die Mädchen gerne necken lassen.

Marten wurde im vergangenen Jahr eine hundertprozentige Behinderung bescheinigt. Eine Nervenkrankheit lässt den Jungen sich nur unsicher bewegen, sprechen kann er kaum.

In der Fritz-Reuter-Grundschule in Crivitz legen Lehrer, Kinder, der Schulassistenz-Dienst der Lebenshilfe Parchim und Eltern jeden Tag ein Mosaiksteinchen frei für das große Bild, das „Inklusion” heißt. Dieses Bild zeigt Menschen mit Handicap, die problemlos dort lernen, arbeiten und leben, wo sie es wollen. Das Bild ist lange noch nicht fertig.

Auch das Kinderzentrum Mecklenburg will seinen Teil zum Gelingen des Bildes beitragen und stellt sich seit Jahren den Anforderungen einer interdisziplinären Behandlung von Kindern mit Handicap. „Diese Kinder und Jugendlichen haben in ihrer Lebensplanung je nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorstellungen das selbstverständliche Recht, von der Gesellschaft eine solide finanzierte sowie fachgerechte und menschlich zugewandte Unterstützung zur verbesserten Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu erhalten”, sagt Dr. med. Tilman Köhler, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. „Inklusion kann nicht verordnet werden - sie muss wachsen und gelebt werden. Wir können keinen Idealzustand an den Kindertagesstätten und Schulen erwarten, während sich die Gesellschaft gerade erst auf den Weg macht.”

Auf dem 10. ICP-Symposium des Kinderzentrum  am 5. Mai werden aktuelle Vorstellungen, Erfahrungen und Bedingungen für eine gelingende Inklusion von Kindern mit Behinderungen vorgestellt und diskutiert. Ärzte, Lehrer und Erzieher, Psychologen, Therapeuten, Patienten sowie Eltern erhalten Anregungen für eine gelingende Inklusion von Kindern mit Handicap. Vorträge renommierter Fachleute aus Medizin, Pädagogik und Verwaltung werden durch konkrete und persönliche Lebenserfahrungen Betroffener ergänzt.

So werden unter anderem ärztliche Gesichtspunkte zur Inklusion in der
Schule durch den Bonner Kinderarzt Dr. Helmut Hollmann aufgezeigt. Helle Deertz aus Heidelberg als Betroffene und Pädagogin Anke Kastenschmidt aus Achim berichten über den Schulalltag mit persönlicher Assistenz, wie ihn auch der 8-jährige Marten in Crivitz erlebt.

Der Junge wird den Tag über von Schulassistentin Ramona Pressentin begleitet, am Nachmittag übergibt sie an ihre Kollegin von der Hortassistenz. Fünf Stunden in der Woche arbeitet eine Sonderpädagogin mit dem Zweitklässler.

5. Schulstunde: Geometrie. Marten versucht, ausgeschnittene Dreiecke zu einem Haus zusammen zu legen. Für seine zwanzig Klassenkameraden ein leichtes Spiel. Für Marten - trotz Hilfe - ein sehr schwieriges Unterfangen ...
Mehr Informationen und Anmeldungen gibt es unter Telefon 0385 55159-10 (Katharina Maaß).