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Jagd auf stinkendes Gas

Drei Achtklässler aus Rastow haben „Jugend forscht“ für sich entdeckt
Bei Jugend forscht mitzumachen,gehört für Chemielehrerin Sigrid Lange einfach dazu. In diesem Jahr gehen Oliver Dahl (li.) und Axel Kastädt dem Abwasser auf den Grund. Fotos: WEMAG
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Wenn es draußen nach faulen Eiern riecht, schrillen bei Oliver Dahl, Axel Kastädt und Carolin Lehmann die Alarmglocken. Schwefelwasserstoff liegt in der Luft. Ein Gas, mit dem sich Klärwasseranlagen fast überall bemerkbar machen. Doch damit soll bald Schluss sein. Die drei Achtklässler tüfteln an einer Apparatur, mit der sich das übel riechende, stark giftige Gas, das auch aus den Abwässern von Klärwerken und Gullis aufsteigt, einfangen und unschädlich machen lässt.

Die Schüler der Regionalen Schule „Dr. Ernst Alban“ in Rastow sind nicht die einzigen, denen derzeit die Köpfe rauchen. Unter dem Motto „Entdecke neue Welten“ ging der bundesweite Wettbewerb Jugend forscht 2010 dieser Tage in Mecklenburg- Vorpommern in die 20. Runde. Ausget r agen, organisiert und gesponsert wird er von Anfang an vom regionalen Energieversorgungsunternehmen WEMAG AG. „In diesem Jahr sind 140 Teilnehmer mit 65 Projekten dabei“, verkündet Landeswettbewerbsleiter Dr. Frank Mehlhaff .

Praxisbezug nimmt zu

Während die einen den Blick in ferne Galaxien richten, komplexe Zahlenräume analysieren oder ihre Umwelt beobachten, erforschen andere die Phänomene des Klimawandels, programmieren innovative Computersoftware oder überlegen, wie sich die Geruchsbelästigung durch Schwefelwasserstoff unterbinden lässt. Die Beiträge der Schüler seien typisch für den zunehmenden Praxisbezug, so Jost Broichmann von der der WEMAG AG. „Die Forschung ist anwendungsorientierter geworden. Auch für die WEMAG als Patenunternehmen ist die regionale Verbundenheit und Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema.“

Dass Oliver, Axel und Carolin mit ihrem Vorhaben den Nerv der Zeit getroffen haben, wissen sie. Ihr aus Regenrinnenrohren gebauter Apparat, in dem das Gas durch Kalkmilch gebunden werden soll, sieht recht skurril aus. Jeden Tag tüfteln sie an ihm herum. Auf die Idee, bei Jugend forscht mitzumachen, kamen sie bei einem Besuch in der nahen Kläranlage. Chemielehrerin Sigrid Lange hatte die Schüler während der Projekttage dorthin gelockt. Sie freut sich über die Leidenschaft, mit der die drei bei der Sache sind, wie sie wissenschaftliche Fragestellungen formulieren und eigenverantwortlich an einem Projekt arbeiten. Seit 10 Jahren schickt sie ihre Zöglinge bei Jugend forscht ins Rennen. Und fast immer hat es mit einem Preis geklappt. Lehrer wie Sigrid Lange, die sich unentgeltlich engagieren, sind die tragende Säule des Wettbewerbes. In ihren Talentschmieden wird die Zukunft geboren. Oliver, den das Problem gar nicht mehr loslässt, will später auf jeden Fall was mit Landwirtschaft studieren. Doch bis dahin ist es noch Zeit. Jetzt gibt es Wichtigeres zu tun. Sie müssen noch jede Menge mikroskopieren, tüfteln und eine Umfrage zur Geruchsbelästigung in Rastow durchführen.

Bis Anfang Januar können sie, wie all die anderen Teilnehmer auch, in der Schule oder zu Hause forschen und experimentiert. Dann müssen alle ihre schriftliche Arbeit einreichen. Im März 2010 werden sich die jungen Talente dann mit ihren Forschungsprojekten einer Jury und der Öffentlichkeit präsentieren. Ob Oliver, Axel und Carolin einen der attraktiven Gewinne absahnen, wird sich zeigen. Auf jeden Fall wollen sie jetzt noch mal so richtig Gas geben. JaGd auF StinkendeS GaS Drei Achtklässler aus Rastow haben „Jugend forscht“ für sich entdeckt Stern-Chefredakteur hatte die zündende Idee