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„Es gibt nichts Schöneres, als mit Kindern zu arbeiten“

Ulrike Stark unterrichtet seit 2013 Schach an der Grundschule Lankow
Das königliche Spiel zählt zu Ulrike Starks Leidenschaften. Foto: S. Krieg
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Wahrscheinlich wäre Ulrike Stark niemals Schachlehrerin geworden, hätte sie sich als Kind für Mathematik begeistert. So wollten‘s ihre Eltern nämlich gern haben, sagt sie. Um ihre Zuneigung zu Zahlen, Kurven und überhaupt abstraktem Denken zu fördern, sei sie zum Schachspielen geschickt worden.
So saß sie in ihrer Heimatstadt von der zweiten bis zur zehnten Klasse beim Lübzer SV an den Brettern – und das mit Erfolg: Sie war mehrmals Kreis- und Bezirksmeisterin und belegte mit der Mannschaft bei einem großen republikweiten Turnier den vierten Platz.

Nach der Schule absolvierte Ulrike Stark in Schwerin ein Studium zur Grundschullehrerin, sie ging dann zurück nach Lübz, wo sie 25 Jahre lang an derselben Schule arbeitete. Dann, 2009, wurde sie nach Schwerin an die Grundschule Lankow versetzt.
„Ich habe schon alles Mögliche unterrichtet – alles, außer Sport“, sagt sie. Und Schach war zunächst auch nicht dabei, das gab es als Schulfach in Schwerin ja auch gar nicht. Aber immerhin bestand bereits eine Arbeitsgemeinschaft, die von Stark und ihrer Kollegin Heide Warnat geführt wurde.
Anderswo in Deutschland hatte sich der Schachunterricht längst etabliert; einmal im Jahr findet sogar ein Schulschach-Kongress statt, zu dem die Schachlehrer aus ganz Deutschland zusammenkommen. In Dortmund 2012 nahm auch Stark daran teil. Begeistert sagte sie sich anschließend: Warum nicht das königliche Spiel auch an unserer Schule lehren? Im Jahr darauf hospitierte sie in einer Hamburger Schule beim Schach-Unterricht, und wenig später legten sie und mehrere Grundschul-Kolleginnen das Schulschach- und nachfolgend das Kinderschach-Patent ab.

Seit dem Schuljahr 2013/14 ist Schach nun an der Opens external link in new windowGrundschule Lankow Pflichtfach – seitdem werden die Kinder im Rahmen einer Langzeit-Studie der Universität Rostock beobachtet. „Die Studenten wollen wissen, wie sich der Schachunterricht auf Konzentration und Wahrnehmungsvermögen der Kinder auswirkt. Es wird außerdem ermittelt, ob die Werte bei der Leistungsmotivation und der Sozialkompetenz steigen“, erläutert die Lehrerin.
Tatsächlich: Die Lankower Grundschüler haben sich in den vergangenen Jahren offenbar besser entwickelt als die Mädchen und Jungen aus einer Schweriner Vergleichsklase. Inwieweit dabei nun der Schach-Unterricht eine Rolle spielt, wird sich erst zeigen, wenn die Studie im kommenden Frühling ausgewertet ist.
Nach der zehnten Klasse hat Ulrike Stark mit dem Schachspielen aufgehört. „Erst hier an der Schule hatte ich wieder mit Schach zu tun“, sagt die heute 52-Jährige. „Aber wenn ich mit den Kindern zu den Wettkämpfen fahre, dann kommt bei mir das Turnier-Feeling von früher auf. Es ist dann so, als würde ich selbst am Brett sitzen.“

Gleich das erste Turnier haben die Lankower Grundschüler gewonnen: 2014 sind sie Landesmeister geworden. Inzwischen haben sie sogar mehrfach an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Die Mannschaft wird unterstützt vom Verein Schweriner Schachfreunde; für die Fahrt zu den Deutschen Meisterschaften 2014 in Dittrichshütte gab es sogar Geld von unserer Landesregierung. „Und ohne das Engagement der Eltern wäre vieles gar nicht möglich“, das zu erwähnen, ist Stark sehr wichtig.
Nicht jedes Kind, das in der Schule Schach lernt, muss sich später auch auf Turnieren beweisen. Darum gehe es sowieso nicht, sagt sie. Beim Unterricht an den 64 Feldern würden die Mädchen und Jungen reifen, sich auf vielerlei Art entwickeln. Stark sagt: „Dabei merken sie nicht einmal direkt, was Schach mit ihnen macht, denn es ist ja für sie erstmal nur ein Spiel.“

Die Lehrpläne hat sie für sich und ihre Kolleginnen an der Grundschule selbst entwickelt. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass die Kinder langsam und in Ruhe lernen, wie die Figuren ziehen. „Je mehr ich über die Figur weiß, desto mehr denke ich nach und entwickle Strategien“, betont sie. Ihr Vorbild als Trainer sei Dieter Düwel, dem sie in Lübz ihre großen Erfolge zu verdanken hatte.
Auf Fachkonferenzen bringt sie zudem Lehrern bei, wie man Schach spielt. Dafür ist es nie zu spät. Das gilt übrigens auch für Ulrike Starks Musikleidenschaft, denn erst mit etwa Mitte vierzig hat sie begonnen, Saxophon zu lernen. Inzwischen musiziert sie sogar im „Elde Blasorchester Parchim Lübz“.
Vor allem aber liebe sie es, Lehrerin zu sein. „Es gibt nichts Schöneres, als mit Kindern zu arbeiten; sie geben einem so viel zurück“, sagt sie. Neben Schach unterrichtet sie unter anderem Deutsch, Kunsterziehung – und Mathematik. S. Krieg