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„ich bin ein Schweriner!“

Landesrabbiner Dr. William Wolff wurde neuer Ehrenbürger der Stadt
Laudatorin Justizministerin Uta-Maria Kuder beglückwünschte Dr. William Wolff. Foto: Rainer Cordes
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Selten war sich das Publikum so einig wie an diesem Nachmittag: Er hat es verdient! Feierlich wurde dem Landesrabbiner Dr. William Wolff im Goldenen Saal des Neustädtischen Palais‘ das Ehrenbürgerrecht der Stadt Schwerin verliehen. Bewusst hatte man den Tag der Ehrung auf den 27. Januar gelegt, den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Dennoch spar-
ten sich sowohl die Überbringer als auch der Geehrte selbst überbordenden Pathos. „Ein besonderer Tag für die Stadt und für die Jüdische Gemeinde“ sei dieser Tag, begrüßte Stadtpräsident Stephan Nolte die Gäste. Er sei stolz, dass die Stadtvertreter die Ehrung einstimmig beschlossen hätten. Stolz zeigte sich auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, darauf, dass der Landesrabbiner die Ernennung angenommen hatte. „Er vermittelt wie kein anderer Lebensmut und Herzlichkeit. Für die Stadt ist er ein Glücksfall. Er hat dem jüdischen Glauben in Schwerin ein Zuhause gegeben“, sagte sie. William Wolff sei ein Vorbild für alle, ein Brückenbauer und Botschafter für Toleranz. Laudatorin Uta-Maria Kuder, Justizministerin M-V und als diese auch für die Religionen zuständig, ließ das Leben des Journalisten Wolff, der erst spät zum Rabbinertum fand, Revue passieren.
Der heute 86-Jährige ist ein beliebter Redner und Gesprächspartner. Warum, davon konnte man sich anhand seiner Dankesrede überzeugen. Gerührt und mit einer großen Portion Schalk im Nacken bedankte er sich „für die Ehrung und für das, was über mich gesagt wurde“ und sorgte sogleich mit einem englischen Sprichwort für Heiterkeit im Saal: „Mein Vater hätte es mit großer Skepsis gehört, meine Mutter hätte jedes Wort geglaubt.“ Stolz sei er, der in Berlin Geborene, nun in Analogie zu den berühmten Kennedy-Worten sagen zu können: „Ich bin ein Schweriner!“
William Wolff war nach der Machtergreifung der Nazis zunächst mit der Familie nach Amsterdam und später nach London emigriert, wo er als Journalist arbeitete, bevor er 1979 die Ausbildung zum Rabbi begann und 1984 ordiniert wurde. Seit 2002 ist er Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern.