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Glas, Blei und buntes Licht

Im Porträt: Luise Brügemann, Glasermeisterin, Hobbygärtnerin und Naturliebhaberin
Rhomben gehören noch zu den schlichteren Formen, mit denen Luise Brügemann arbeitet. Foto: SN live
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Schönfeld Mühle, Am Mühlenberg 10a. Das klingt nach einer ruhigen Adresse. Und in der Tat: Die Straße endet nur ein paar Meter weiter in einer Sackgasse, dahinter beginnen Feld und Flur. Gegenüber linsen ein paar neugierige Hühner durch den Zaun.
Hier auf dem Mühlenberg befindet sich die Werkstatt von Luise Brügemann, die zusammen mit ihrem Mann Andreas Kluth-Brügemann eine Glaserei betreibt. Und gleich nebenan im Haus wohnen die beiden. In dem Ort bei Cramonshagen kann die Glasermeisterin ungestört und mit Freude arbeiten. Zu tun hat sie derzeit eine Menge.

Ihre Spezialität: Bleiverglasungen. Die vielen kleinen Glasstücke zurechtzuschneiden und dann im Rahmen zwischen Bleistegen zu einer Art Kunstwerk zusammenzusetzen, ist oft eine richtige Puzzlearbeit. Um die benötigten Formen zu gewinnen, legt sie zunächst an oder auf ein Scheibchen Glas eine Schablone und schneidet dann an der Kontur entlang. (Manchmal, sagt die Handwerkerin, müsse sie die Form auch erst mit einem Stift auf das Material zeichnen.) Dann ritzt sie die Oberfläche per Glasschneider ein, bevor das Teil an der so geschaffenen Kante rausgebrochen wird. Kleinere Elemente müssen vorsichtig mit einem Hämmerchen herausgeklopft werden. „In Filmen sieht man ab und zu, wie Einbrecher ein kreisrundes Loch in eine Schaufensterscheibe schneiden und das Teil dann mit einem Saugnapf rausziehen“, fällt ihr dabei ein, „aber das kann gar nicht funktionieren, denn auch hier müsste von hinten gegengeklopft werden.“
Luise Brügemanns Auftraggeber ist vielfach die Kirche, denn in deren historischen Bauten, zum Beispiel im Dom, findet man solche farbenfrohen bleiverglasten Fenster recht häufig. Auch für Gaststätten und private Hausbesitzer arbeitet die 51-Jährige oft.

Man kann sich‘s kaum vorstellen, aber mit Glasbau wollte sie ursprünglich gar nichts zu tun haben. Doch es kam anders: Als kirchlich geprägtes junges Mädchen, das kein Mitglied der FDJ war, wurde es für sie nichts mit der Erweiterten Oberschule. Um die Hochschulreife trotzdem zu erwerben, wählte sie den in der DDR als Alternative üblichen Weg der Berufsausbildung mit Abitur – und wurde so im Jahr 1983 zur Baufacharbeiterin.

Dann ging‘s auch schon los mit Glas: In der Werkstatt ihres Onkels lernte sie bei ihrem Großvater, Bilder einzurahmen. Ein Vierteljahr später folgte ein Praktikum bei der Denkmalpflege in Schwerin. „Ich wollte immer Restaurierung studieren“, sagt sie, „aber das hatte sich erledigt, weil ich leider nicht gut genug zeichnen kann.“
Das Praktische lag ihr jedoch immer. Sie lernte bei der zur Evangelischen Kirche gehörenden „Bau­hütte“ das Bleiverglasen und wur­de später mittels Erwachsenenqualifizierung Glaserin. Nach kurzen Aufenthalten in Berlin (PGH Glaser) und Dresden (Denkmalpflege) kehrte sie in ihre Heimat Schwerin zurück und begann 1988 in unserer Stadt einen Meisterlehrgang, den sie 1991 abschloss. In dieser Zeit bekam sie ihren ersten Sohn Aaron (vier Jahre später folgte ihr zweiter Sohn Jakob).

Nach dem Mütterjahr wirkte sie zunächst wieder bei der „Bauhütte“, und 1998 gründete sie zusammen mit ihrem Mann den eigenen Handwerksbetrieb. Erster Unternehmenssitz war in Friedrichsthal, wo sich jetzt noch eine Außenstelle befindet. Im Jahr 2000 kauften die Brügemanns das erwähnte Grundstück nahe des Cramoner Sees, wo sie 2001 zunächst ein Eigenheim bauten und 2005 gleich nebenan die neue Werkstatt.
Draußen: der Garten, in dem die Glasermeisterin sich um ihre Blumen kümmert und um die Ecke die Natur, wo sie so gern fotografiert – Landschaften, Tiere, Sonnenuntergänge. Und in den Werkstattflur fällt bezauberndes buntes Licht durch eine schöne Bleiglasscheibe mit filigranen roten und blauen Elementen. S. Krieg
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www.glaserei-bruegemann.de