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Freunde finden in aller Welt

Hans-Jürgen Köster ist Vorsitzender des Schweriner Friendship-Force-Klubs
Der 64-jährige Klein Rogahner ist weitgereist, war zum Beispiel schon in Japan und in Neuseeland. Foto: S. Krieg
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„Eine Welt von Freunden wird eine Welt des Friedens“, zitiert Hans-Jürgen Köster das Leitmotiv des weltweiten Netzes Friend­ship Force (FF). Eigentlich ist es mehr eine Vision, aber er möchte dazu beitragen – wenigstens einen kleinen Teil – dass sie sich erfüllt.
Der 64-Jährige ist Vorsitzender des Opens external link in new windowSchweriner FF-Klubs, der Anfang 2011 gegründet wurde. Der Klub, einer von insgesamt 16 seiner Art in Deutschland, hat derzeit knapp 40 Mitglieder. Köster und seine Frau Ursula gehören zu den Gründungsmitgliedern. Aber wie kamen sie darauf?
Den Wunsch, Leute in aller Welt kennen zu lernen, hatte Köster schon länger. Und er ist ja auch viel gereist. Allerdings gelang es ihm nicht so recht, mit den Menschen in Kontakt zu kommen; es fiel ihm nicht so leicht, sich auf Englisch zu unterhalten. Ein regelmäßiger Austausch aber könnte hilfreich sein, dachte er sich.

Mit dieser Idee im Hinterkopf las er 2007 in der Zeitung einen Artikel über Kurt Juhl. Der Pinnower berichtete darin, wie er als Mitglied von Friendship Force Lübeck Freunde in vielen Ländern gewonnen hatte. Köster meldete sich bei Juhl und trat kurze Zeit später zusammen mit seiner Frau und einem befreundeten Paar dem Lübecker Klub bei – gespannt und ein wenig skeptisch. „Fünfzig Euro Jahresbeitrag sind ja nicht allzu hoch“, sagt Köster, „da habe ich mir gedacht, die kann ich verschmerzen. Falls mir die Sache nicht gefällt, dann war‘s das eben.“ Aber er war begeistert und blieb dabei. Nach und nach schlossen sich weitere Schweriner an – bis es so viele waren, dass es Zeit wurde, auch in unserer Stadt einen FF-Klub zu gründen.
Friendship Force ist so ein bisschen wie Schüleraustausch, nur eben für Erwachsene. Die Klubmitglieder in aller Welt besuchen sich gegenseitig für eine Woche; der jeweilige Gastgeber bringt seine Gäste zu Hause unter und gestaltet ein kleines Programm. „Aber“, sagt Köster, „es geht dabei nicht um Sightseeing, sondern um den gegenseitigen Austausch. Wir sprechen miteinander, lernen die andere Kultur kennen und räumen oft auch mit falschen Vorstellungen auf.“ Gerade US-Amerikaner hätten oft ein sehr seltsames Bild vom Osten Deutschlands.

Die ersten Gäste, die die Kösters empfingen, kamen aus dem mittleren Westen der USA. „Wir haben uns bis nachts um eins unterhalten“, erinnert sich Köster gern an diese Begegnung. Sehr beeindruckt war er auch von einem weiteren Paar aus den Vereinigten Staaten. Der Mann habe erzählt, wie er in den fünfziger Jahren half, Atombomben zu entwickeln und wie sehr es ihm damals geschmerzt habe, die Tests in der Wüste nicht live miterleben zu können.
Die erste Friendship-Force-Reise führte Ursula und Hans-Jürgen Köster in die Niederlande. Aber es sind vor allem exotische Ziele, von denen er heute noch schwärmt. Zum Beispiel Japan. Dort wohnten sie unter anderem in Nagasaki, übernachteten in einer sehr traditionell eingerichteten Wohnung und schauten sich ein paar Tage Tokio an.

Andere Reisen führten sie unter anderem nach Kanada, auf die Isle of Wight (Großbritannien), nach Moskau, St. Petersburg  und in diesem Jahr schließlich nach Neuseeland.
Beruflich hat Hans-Jürgen Köster mit Reisen höchstens am Rande zu tun. Der gebürtige Rastower, der inzwischen in Klein Rogahn lebt, ging in Schwerin zur Schule, ließ sich anschließend in Görlitz ausbilden (Ingenieur für Informationsverarbeitung), arbeitete dann als Software-Entwickler für die Interflug und studierte nebenher Mathematische Methoden und Datenverarbeitung. Später wechselte er mehrfach die Arbeitsstelle. Rechnen und rechnen lassen blieben jedoch bis heute sein Metier. Seit 2002 betreut er bei der Landesregierung Software und EDV für den Europäischen Sozialfonds. Damit ist Ende dieses Jahres Schluss: Dann geht er in Rente.

Ihm bleibt nun also noch mehr Zeit, internationale Freundschaften zu pflegen. Und echte neue Freunde habe er wirklich gefunden, sagt er. Zu seiner Silberhochzeit kamen vor einiger Zeit zum Beispiel Gäste aus Russland, die er über Friendship Force kennen gelernt hat. S. Krieg