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SCHWERIN IN DER NS-ZEIT

GROßE PLÄNE FÜR DEN AUSBAU DER GAUHAUPTSTADT
Gauleiter Friedrich Hildebrandt
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Schwerin, vor 850 Jahren von Heinrich dem Löwen gegründet, präsentiert sich heute als Stadt mit unverwechselbarem Flair. Als „Stadt der Seen und Wälder“ besang sie einst der Gelehrte Friedrich Lisch. Heute ist die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns wegen ihres märchenhaften Schlosses, der wunderschönen Gärten und ihrer einmaligen  Kunstschätze ein Anziehungspunkt für Besucher aus Nah und Fern. In einer 12-teiligen Serie erzählen wir die Geschichte der Jubilarin. Autor ist Bernd Kasten, Leiter des Schweriner Stadtarchivs.

Als die Nationalsozialisten 1933 auch in Schwerin die Macht übernahmen, knüpften ihre Pläne für die künftige Stadtentwicklung bewusst an die alten Traditionen aus der großherzoglichen Zeit an. 1935 schrieb der Rat an das Staatsministerium: „Versuche, in Schwerin Industrie anzusiedeln, versagten. Die Stadt …  muß ihr Ziel nun vor allem darin sehen, die Behördenzentrale mit starker Garnison zu bleiben“.
Auf beiden Feldern waren deutliche Erfolge zu verzeichnen. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 wurden immer neue Abteilungen in die Stadt verlegt. An der Güstrower und an der Ludwigsluster Straße entstanden neue Kasernen. Die Mecklenburgische Zeitung kommentierte den Einzug der Truppen mit den Worten: „Die alte Soldatenstadt Schwerin bekommt Zuwachs“. 1939 beherbergte die Stadt nicht weniger als drei Regimenter und eine Kampffliegergruppe auf dem wieder in Betrieb genommenen Flugplatz in Görries. Die Einwohnerzahl stieg so gegenüber 1933 um fast 10 000 Menschen an. Auch der Ausbau als Verwaltungszentrum wurde energisch betrieben. Der mecklenburgische Gauleiter Friedrich Hildebrandt hatte große Pläne für den künftigen Ausbau der Gauhauptstadt. 1936 wurden Wickendorf, Groß und Klein Medewege, Warnitz, Friedrichsthal, Krebsförden und Mueß eingemeindet, wodurch sich das Stadtgebiet von 3900 auf 8.000 ha mehr als verdoppelte.

Eine rücksichtslose Diktatur beherrschte nun die Stadt und das Land. Eine regimekritische Äußerung, ein politischer Witz konnten nun mehrjährige Haftstrafen zur Folge haben. Am schwersten traf es die jüdische Gemeinde. Wirtschaftlicher Boykott und politische Verfolgung ließen den meisten keine andere Wahl als die Flucht. Die letzten 17 hier noch lebenden Juden wurden 1942 nach Auschwitz und Theresienstadt deportiert und ermordet.
Auch viele der nach 1941 im Lager bei Zippendorf inhaftierten sowjetischen Kriegsgefangenen fielen dem NS-Terror zum Opfer. Die Stadt selbst überstand den Krieg relativ unbeschadet. Nur die Feldstadt wurde bei einem Bombenangriff am 7. April 1945 schwer getroffen.