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Für die Bühne geboren

Seit 27 Jahren arbeitet Bruni Garske als freiberufliche Moderatorin
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Für unser Gespräch wählen wir die Küche. Hier sitzt Bruni Garske am liebsten. Der Blick geht auf das Grün hinter der Zwei-Zimmer-Wohnung in der Dr. Hans-Wolf-Straße. Der Küchentisch lässt sich ruckzuck in einen Schreibtisch verwandeln. Der Raum ist groß genug für Besuch. Bruni Garske hat eine große Familie, hat ein inniges Verhältnis zu ihren Söhnen Martin und Jan und deren Familien. Alle wichtigen Dinge berät sie mit ihnen. Aufgehoben im Leben fühlt sie sich durch deren Hilfe, weiß sie an ihrer Seite, wenn es gilt, schwierige Situationen zu meistern. Die Schwerinerin erzählt von einem dichten Netz an unterstützenden Freunden und Bekannten und meint: „Es gibt so viele Menschen, denen ich viel zu verdanken habe“.
Bei einer Schale frischer Erdbeeren tauchen wir ein in ihr Leben. Sie ist das zweitjüngste Kind von 14, an ihre Mutter hat sie durch deren frühen Tod keine Erinnerungen. Mit den jüngeren Geschwistern lebt sie einige Jahre im Heim. „Unsere schönsten Jahre“, kommentiert sie. Man habe sich gekümmert, Gemeinschaft erlebt. Später nehmen die großen Geschwister die kleinen bei sich auf. So kommt Bruni zu ihrem Bruder Karl-Heinz und nach Schwerin. Es sind die 50er Jahre, Wohlstand ist eher selten. Das Leben in der Familie des Bruders empfindet Bruni noch heute als „großartig“. „Das kann man gar nicht in Worte fassen“, sagt sie und schwärmt über den Zusammenhalt in der Familie. Sie liebt das Schöne im Leben, macht mit beim Volkstanz, in der Theatergruppe und beim Singewettbewerb. Im Schweriner Schloss erlernt sie den Beruf der Kindergärtnerin, leitet später drei Kindereinrichtungen, zunächst im Kreis Bützow, dann auf dem Großen Dreesch in Schwerin. Die anschließende Arbeit zur Fachberaterin macht sie gern, aber „nicht mit ganzem Herzen“. Ihr Wunsch nach „etwas Künstlerischem“ bleibt unausgelebt.
Als sie die Möglichkeit bekommt, im Staatlichen Museum zu arbeiten, kündigt sie bei der Volksbildung. Ein Schritt, der ihr nicht leicht gemacht wird. Es folgen Arbeitsjahre an der Seite der Kunstwissenschaftlerin Dr. Hela Baudis, unter deren Anleitung Bruni Garske die Museumspädagogik aufbaut – eine „schöne Zeit“. Die Schwerinerin führt Schulkinder und Besuchergruppen durchs Museum, macht parallel dazu eine Ausbildung zur Moderatorin. 1985 stellt sie sich beim Komitee für Unterhaltungskunst in Berlin der Prüfung zur Freiberuflichen Moderatorin. In Fred Gigo, einem mehrsprachigen Moderator, der über die Grenzen Deutschlands
hinaus arbeitet, findet sie einen Mentor. „Ein großartiger Mensch“, kommentiert Bruni Garske. Er bestärkt sie: Du bist für die Bühne geboren! Als die Schwerinerin ihren früheren Mann, einen Sänger, zu einer Veranstaltung begleitet, hat die Moderatorin eine Autopanne. Bruni Garske wird gebeten, durch den Abend zu führen, schließlich mache sie doch Ähnliches im Museum. Sie springt ins kalte Wasser, doch danach „packt sie das Entsetzen über das, was ich mir zugetraut habe“. Und bleibt doch am Ball. Fortan moderiert sie wohl an die 100 Veranstaltungen im Jahr. Als Ansagerin will sie Bindeglied zwischen den Künstlern auf der Bühne und dem Publikum davor sein. Respekt für beide Seiten, intensive Vorbereitung, Natürlichkeit auf der Bühne und freies Sprechen – das ist ihr Patentrezept für den Erfolg. Heute gibt es nichts, was sie noch nicht moderiert hätte: Modenschauen, Silvesterkonzerte, Tanzsportgalas, Unternehmerbälle, Landeswandertrage, Chortreffen, Bal-
lettgalas. Zu den schönsten Erleb-
nissen zählen Auftritte in der Dresdener Kreuzkirche und im Berliner Dom.
Konzerte in der Hamburger Musikhalle und im CCH empfindet sie als „Ritterschlag“. Daheim ist ihr „Salon für Senioren“ im Schweriner Hotel Elefant eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe. Auch heute, da das Rentenalter erreicht ist, steht Bruni Garske immer wieder auf der Bühne. Nach dem Sonder-Salon für Senioren am 1. Mai im ausverkauften Schweriner Theater wird sie am 20. September wieder ins Schweriner Hotel Elefant und am 14. November in den Hamburger Hof in Rehna einladen. Wie immer kommen musizierende und talkende Gäste, wird sie mit den etwa 130 Besuchern singen und künstlerischen Nachwuchs präsentieren. Davor steht noch der Landeswandertag im Terminkalender, dazwischen im Oktober das Landeschortreffen.
Meine Schale Erdbeeren ist nach drei Stunden Gespräch aufgenascht, ihre nicht mal angerührt. Für das Porträtfoto wollen wir in den Garten, den der Nachbar für alle Hausbewohner pflegt. Doch zum  Tisch mit zwei Stühlen unterm Kirschbaum kommen wir gar nicht. Am liebsten, so stellt sich heraus, sitzt Bruni Garske neben dem geliebten Lavendel im Schneidersitz auf dem Rasen. Warum? Weil sie das erdet.