Kultur
Experimente abseits des Mainstreams

Was bedeutet Kunst und Kultur für Sie persönlich und wie bringen Sie sich selbst in die Kulturszene der Stadt ein?
Kunst und Kultur sind für mich Inspiration, darüber nachzudenken, wie wir als Menschen handeln und miteinander umgehen. Wir können einander damit unsere verschiedenen Sichten auf die Welt vermitteln. Was mich selbst betrifft, wäre ich kein guter Künstler. Ich bin besser darin, Kunst und Kultur zu vermitteln. Das mache ich zum Beispiel bei thematischen Schlossführungen wie zum 500. Geburtstag von Herzog Johann Albrecht. Als studierter Historiker suche ich mir da gern neue Themen.
Wie kam es zur Gründung vom Webportal Kulturkompass MV?
Das Portal entstand vor zwei Jahren als Netzwerk von Leuten, die Lust hatten, über Kulturereignisse zu schreiben. Oft sind es Veranstaltungen abseits vom Mainstream, über die sonst vielleicht niemand berichten würde. Wir sind nicht kommerziell unterwegs. Es ist ein Hobby, das nichtsdestotrotz mit Ernsthaftigkeit betrieben wird. Und unsere Stimme wird gehört, wir werden ernst genommen, werden zitiert.
Sie eröffnen zur Kulturnacht die „Kompass Galerie“ in der Goethestraße 15. Warum eine neue Galerie für Schwerin?
Ich glaube nicht, dass es in Schwerin zu viele Galerien gibt, da ist noch Luft nach oben. Das Angebot ist für mich eine logische Fortsetzung unseres Web-Portals. Ich möchte einen Raum schaffen, mit dem ich jungen Künstlerinnen und Künstlern, und solchen dienicht in den Mainstream passen, helfen kann. Gleichzeitig sehe ich die Galerie als Veranstaltungsort, in dem perspektisch Soireen und Matineen, Filmvorführungen und Lesungen stattfinden können, einfach alles zwischen Kleinkunst und Kammermusik.
Wie suchen Sie Künstler aus, was planen Sie für die Eröffnung während der Kulturnacht?
Ich will mir ein Jahr Zeit geben, um zu experimentieren. Zeigen möchte ich qualitativ hochwertige Kunst freiberuflicher Künstler, die den Mut hatten, diesen Schritt zu gehen und Kunst als ihre Berufung anzusehen. Meine Präferenzen liegen dabei klar auf gegenständlicher Kunst und Farbigkeit. Eine weiße Fläche mit einem roten Strich, das ist mir nicht genug. Zur Kulturnacht eröffnen wir unsere erste Ausstellung mit Werken des Greifswalder Malers Felix Jess, der bekannt ist für seine expressiven, farbintensiven Bilder. Vernissage ist am 24. Oktober um 17 Uhr, zu sehen sind die Arbeiten bis zum 22. Dezember.
Wen würden Sie gern mal ausstellen?
Eine Künstlerin oder einen Künstler, die oder der danach weltberühmt wird und die oder den ich dann entdeckt hätte.
Was wünschen Sie sich für die Kulturszene in Schwerin?
Ich wünsche mir eine Mitmach-Kultur und eine Mitmach-Kunstszene, in der Menschen Eigeninitiative entfalten. Das sollte gefördert werden. Millionen für Prestigeobjekte wie einen Museumsneubau sehe ich dagegen kritisch.
Interview: Katja Haescher




