Bildung PR-Anzeige
Die Erinnerung wach halten

Es ist kein leichtes Thema, das die bis zum 19. September gezeigte Ausstellung in der Marienplatz-Galerie thematisiert. Es geht um Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit. „Und es ist ein Novum, dass eine Ausstellung zu diesen Thema in einem Einkaufszentrum zu sehen ist“, sagte Prof. Dr. Michael Radke, der das Projekt für die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin vor Ort betreut.
Das Novum hat sich bewährt: Die Tafeln im Eingangsbereich der Galerie stießen auf großes Interesse. Michael Radke selbst führte Schulklassen durch die Präsentation – auch das bestärkte ihn in der Überzeugung, wie wichtig die Aufarbeitung des Themas ist: „Das Wissen über die Zusammenhänge war marginal“, stellte Radke fest. Die Ausstellung solle deshalb zeigen, wohin ein auf Menschenverachtung beruhendes System am Ende führt – zur Gewalt gegenüber denjenigen, die nicht ins vorgegebene Raster einer rassistischen und elitären Ausrichtung passen.
Der Mediziner verwies vor aktuellem Hintergrund auf das Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt, in dem unter anderem die Abschaffung der Inklusion für Kinder mit Behinderung als Ziel genannt und die „richtige Familie“ mit Mutter, Vater, Kind politisch definiert wird. Mit dem „Aussortieren“ von Menschen im Interesse einer so genannten „Erbgesundheit“ begann unter den Nationalsozialisten die unterschiedliche Bewertung menschlichen Lebens, die in der gezielten Ermordung kranker und behinderter Menschen gipfelte. „Zu den größten Perversionen gehörten dabei die so genannten Fachabteilungen wie es sie auch in Schwerin gab“, sagte Radke zum Auftakt einer Podiumsdiskussion, die begleitend zur Ausstellung stattfand. Bei dieser Veranstaltung nannte der Medizinhistoriker Dr. Thomas Beddies noch einmal die Zahlen: Bis zum Ende des Krieges sei von 300.000 bis 400.000 Opfern auszugehen – Menschen, die ermordet wurden, weil ihrem Leben von anderen ein Wert abgesprochen wurde.



