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15.06.18

Thalia, Tivoli, Haus der Jugend

Die Geschichte des Gebäudes in der Geschwister-Scholl-Straße 2

Derzeit steht das Haus leer. Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon daran vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Haus Geschwister-Scholl-Straße 2.

„Die verschiedenen Gesellschaften haben hier die leichtere Muse (…) zu Wort kommen lassen“, schreibt Wilhelm Jesse in seiner „Geschichte der Stadt Schwerin“ und meint noch das erste Thalia-Theater, das 1878 zunächst unter dem Namen „Walhalla“ eröffnet wurde und seinerzeit die heutige Goethestraße mit der heutigen Mecklenburgstraße verband (ein Teil des Komplexes beherbergte eine Kegelbahn, die später zum Kino „Schauburg“ wurde).

Die Trasse, die wir als Geschwister-Scholl-Straße kennen, existierte da noch gar nicht. Jesse schreibt: „Eine Verlängerung der Fließgraben-, seit 1874 Kaiser-Wilhelm-Straße [jetzt Mecklenburgstraße – d. A.], war zwar schon lange geplant, aber nicht recht vorwärts gekommen. Endlich wurden 1887 einige Gelder dazu bewilligt und das Grundstück des Thalia-Theaters erworben, um eine Verbindung zur Rostocker Straße [jetzt Goethestraße – d. A.] zu schaffen.“ Das Thalia wurde zu großen Teilen abgerissen und 1893 die besagte Verbindung geschaffen, die fortan Graf-Schack-Straße hieß.

Das erste Gebäude in der Straße  – auf dem Areal des alten Thalia-Theaters – war das neue Thalia, ein großes Res­taurant mit mehreren Sälen, das 1906 seinen Betrieb aufnahm. Anfang der 1930er Jahre wurde das Haus weitgehend renoviert und eröffnete im Juli 1931 als Konzertcafé „Tivoli“ neu. Auch hier dominierte also „die leichtere Muse“. Mit der Unterhaltung war es dort zum Ende des 2. Weltkriegs erstmal vorbei; das Haus diente ab Mai 1945 wie rund 120 weitere Einrichtungen unserer Stadt als Flüchtlingsunterkunft.

Ein Jahr später wurde das Gebäude umgebaut, um es als „Kulturhaus der Jugend“ nutzen zu können. Im Mai 1947 bot sich die Freie Deutsche Jugend (FDJ) an, das frühere „Tivoli“ für ihre Zwecke zu übernehmen. So geschah es dann ein halbes Jahr später auch. Das einstige Konzertcafé wurde in „Haus der Jugend“ umbe­nannt, gleichzeitig erhielt die vormalige Graf-Schack-Straße den Namen Geschwister-Scholl-Straße.
Als am 13. Dezember 1948 die Pionierorganisation gegründet wurde, schlang man im „Haus der Jugend“ den ersten Schweriner Kindern die blauen Tücher um den Hals.
Viele Schweriner erinnern sich aber eher an Diskoabende und -nachmittage in der oberen Etage sowie an die Eis-Milch-Bar im Erdgeschoss.

Kurz nach der Wende, im November 1990, wurde in der Geschwister-Scholl-Straße 2 erneut eine Gaststätte namens Thalia eröffnet, die sich aber nicht lange hielt. Das Haus stand dann erstmal eine ganze Weile leer. Die Immobilie zählte damals zum Bestand der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS). Das kommunale Unternehmen ließ das Gebäude sanieren und umbauen, ab Februar 1998 stand es für Kulturveranstaltungen allerlei Art zur Verfügung und wurde im Lauf der Folgejahre auch entsprechend genutzt.
Die unterschiedlichen Betreiber veranstalteten vor allem Jazz-, Rock- und Popkonzerte sowie Partys. Lange Zeit führte der Klub den historischen Namen „Thalia“. Zuletzt fungierte das Haus als Diskothek „Tivoli“ – die ganz leichte Muse. Zurzeit herrscht dort aber mal wieder Ruhe.

Bei der WGS will man von dem Haus nun offenbar nichts mehr wissen. Die Wohnungsgesellschaft verweigert jedenfalls sämtliche Auskünfte zur jüngeren Vergangenheit der Geschwister-Scholl-Straße 2. Bis auf diese: Die WGS habe die Immobilie bereits verkauft.  S. Krieg




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