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18.05.18

Altes Kurhaus wiederbelebt

Die Geschichte des Hauses an der Mueßer Bucht 5, vielen unter dem Namen „Pierre Semard“ bekannt

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Kurhaus Mueß.

An dem herrlich auf einem Hügel gelegenen Haus hängt das Herzblut von Ole Wasmuth. Von 2009 bis 2011 hat er das ehemalige Kurhaus saniert und ihm, soweit es ging, wieder sein ursprüngliches Aussehen verliehen. Jetzt ist das frühere Kurhaus allerdings ein Wohngebäude mit sieben Mietern.
Gern, sagt Wasmuth, würde er auch das anliegende Gelände, eine Grünfläche mit Nähe zum Wald, wieder bebauen. Dort stand einst unter anderem eine zum Wohnhaus umgebaute Remise. „Ich darf dort aber nicht bauen“, sagt der Hamburger etwas zerknirscht. Die Stadt führe rechtliche Gründe dagegen ins Feld.

In den Jahren 1994/95 wurden fast alle Nebengebäude abgerissen, darunter Bungalows, Scheunen und eine Liegehalle. Die Remise war bereits im Dezember 1977 abgebrannt. In den Flammen kam Ole Wasmuths Tante Daisy Wasmuth ums Leben, die dort wohnte. Er vermutet Brandstiftung. Jedenfalls nahm im Februar 1979 der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) der DDR die Immobilie in Besitz – also kurz nachdem das letzte dort lebende Mitglied der Familie Wasmuth unter bis heute nicht geklärten Umständen verstorben war.

Das Grundbuch weist ab 4. Oktober 1910 den Weinhändler Wilhelm Puls als ersten Eigentümer des Grundstücks in Mueß aus. Ein Jahr zuvor beriet man in der Stadt Schwerin, wie man das Gebiet am südwestlichen Teil des Schweriner Innensees für die mobiler gewordene Bevölkerung anziehender gestalten könne. So entstand auch die Idee zu dem Kurhaus. An der Finanzierung beteiligten sich zahlreiche Schweriner Bürger.

Wie geplant wurde das Kurhaus am 24. Mai 1911 zum Beginn der Landes-Gewerbe- und Industrieausstellung eröffnet, es trug den Namen „Seehöft“ und verfügte über zehn Zimmer mit insgesamt 28 Betten sowie über ein Restaurant mit Saal. In den Jahren darauf wechselten die Besitzer mehrfach. Während des 1. Weltkriegs wurde es sogar kurzzeitig als Lazarett genutzt. Im Jahr 1919 versuchte es der Gastwirt Paul Groth nochmal mit einer Kureinrichtung, ging aber kurz darauf pleite. Am 12. Juli 1920 kaufte Ole Wasmuths Großvater Vollrath Wasmuth das Kurhaus.

Die Wasmuths sind eine alte Schweriner Familie, unter anderem besaßen sie in unserer Stadt auch zwei Mühlen. In den 1890er Jahren gingen sie zwar nach Hamburg, verbrachten aber nach wie vor den Sommer regelmäßig in Zippendorf. Nach dem Kauf des Hauses in Mueß wollte Vollrath Wasmuth dort eigentlich eine Geburtsklinik einrichten. Dies scheiterte. Kurz darauf richtete die Familie in der Villa mit See­blick ihren Wohnsitz „Seehöft Vollrath‘s Ruh“ ein. Auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs blieb Vollrath Wasmuth mit seiner Frau Anna und seiner Tochter Daisy in dem Mueßer Domizil. Sein heute 78-jähriger Enkel Ole erinnert sich, dass sein Großvater nach dem Einmarsch der Roten Armee von den russischen Offizieren gut behandelt worden sei.

Bis 1947 war das Haus an der Mueßer Bucht Lazarett und Unterkunft für Flüchtlinge aus dem Osten. Im selben Jahr starb Vollrath Wasmuth in Mueß, dessen Frau Anna schied 1956 aus dem Leben. Beider Tochter Daisy blieb in dem erwähnten Nebengebäude wohnen, 1957 wurde sie als alleinige Eigentümerin ins Grundbuch eingetragen. Aus der wasmuthschen Villa machte man zunächst eine Gewerkschaftsschule, die 1952 nach einem französischen Kommunisten „Pierre Semard“ genannt wurde.
Ab Mai 1956 pachtete der FDGB das Kurhaus und eröffnete darin ein Ferien­heim, ein solches blieb es auch in den Folgejahren. 1968 wurden daneben fünf Bungalows errichtet, acht Jahre später erhielt das Kurhaus auch noch einen Erweiterungsbau. Unter dem Namen „Pierre Semard“ ist das alte Kurhaus vielen Schwerinern noch heute ein Begriff.

Kurz nach der Wende war die Einrichtung noch in Betrieb, schloss aber schon bald. Haupt- und Nebengebäude verfielen zusehends. Das Kurhaus selbst entkam dem Abriss nur dank seines Denkmalschutzstatus. Daisys Bruder Lutz Wasmuth übertrug 1990 seine Rückübertragungsansprüche an seine drei Kinder Chris, Pieter und Ole. Erst im Jahr 2002 nach einem langen Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Schwerin wurde den Erben ihr Haus zurückübertragen.

Fortan war es Ole Wasmuth, der sich um den Familienbesitz weiter kümmerte. Vor etwa zehn Jahren kaufte er die Grünfläche seitlich des Kurhauses dazu und ließ sie wieder herrichten. Im Laufe der Sanierung baute er unmittelbar neben dem Kurhaus auch die Liegehalle originalgetreu wieder auf; sie beherbergt nun ebenfalls eine Wohnung. S. Krieg




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