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15.02.19

Von Gagarin zu von Goethe

Die Geschichte des Schulgebäudes in der Johannes-R.-Becher-Straße 10

Das Goethegymnasium im Januar dieses Jahres Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Gymnasium „Johann Wolfgang von Goethe“.

„Der Aufbau der 10klassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule in unserer Republik ist eine Aufgabe, deren Vollendung bedeutend ist für den siegreichen Aufbau des Sozialismus“, schrieben Rat der Stadt, Pio­nierorganisation und die Ständige Kommission Volksbildung im Jahr 1959 an die Schweri­ner – verbunden mit der Aufforderung, sich am Aufbau der neuen Oberschule zu beteiligen. Solidaritätseinsätze kämen ebenso in Frage wie Geld- und Sachspenden. Insgesamt 2,4 Millionen Mark sollte die Schule in der Johannes-R.-Becher-Straße 10 kos­ten, wobei die Einrichtung eines Klassenzimmers mit 3.000 Mark berechnet wurde.

Im April 1959 wurde der Grundstein gelegt und kurz vor Weihnachten 1959 Richtfest gefeiert. Es dauerte dann noch etwas mehr als ein Jahr, bis der erste moderne Schweriner Schulneubau nach 1945 fertig war (zumindest der Hauptteil). Die Entwürfe dazu stammen vom Architekten Heinrich Handorf, der später mit unter anderem mit der Schinkel-Medaille in Bronze ausgezeichnet wurde.
Das Hauptgebäude der insgesamt U-förmigen Anlage ist dreigeschossig aufgebaut und wurde für zwölf Schulklassen ausgelegt, während die zweigeschossigen Nebengebäude Räume für weitere acht Klassen umfassten.

Gebaut wurde auf dem rund 17.500 Quadratmeter großen Gelände in drei Abschnitten: zuerst das dreigeschossige Hauptgebäude für die zwölf Oberstufenklassen, dann die zweigeschossigen Trakte (auch Pavillons genannt) für acht Unterstufenklassen (Klassen 1 bis 4) sowie die Turnhalle (samt Schwimmhalle) und zuletzt die Aula
Zur Eröffnung am 27. Februar 1961 um 8 Uhr (mit Konzert des NVA-Orchesters) war zunächst nur das Hauptgebäude fertig, und die Schule trug noch keinen Namen. Den bekam sie aber kurz darauf. Die Schweriner Schulchronik verzeichnet in ihrem Eintrag vom 8. Mai 1961: „Im Beisein des sowjetischen Stadtkommandanten verleiht Oberbürgermeister Gustav Schwantz der neuen Schule in der Weststadt den Namen des ers­ten Menschen, der in den Weltraum geflogen ist, des sow­jetischen Kosmonauten Juri Gagarin.“

Bis Herbst 1961 baute man noch an der Turnhalle sowie an den Pavillons. Unter der Turnhalle befand sich zudem eine Schwimmhalle, die später jedoch nicht mehr als solche fungierte, sondern unter anderem als Luftgewehrschießanlage (im trockengepumpten Becken) diente. Die Aula konnte erst ab September 1962 genutzt werden. Die Bronzeplastik „Lesender Junge“ des Künstlers Gerhard Thieme ziert noch heute den kleinen Vorplatz am Haupteingang; sie wurde 1971 aufgestellt.

Im Mai 1984 tauschten die Erweiterte Oberschule (EOS) „Johann Wolfgang von Goethe“  und die Gagarinschule die Standorte. Die EOS war zu dem Zeitpunkt in der Makarenkostraße (heute Andrej-Sacharow-Straße) ansässig. Der neue Standort in der Weststadt lag vor allem zentraler als der vorherige auf dem Dreesch. Der zweite Grund für den Umzug war die Aula, die man für diverse Veranstaltungen gut gebrauchen konnte.
Kurz nach der Wende wurde aus der EOS das Gymnasium „Johann Wolfgang von Goethe“ oder kurz: Goethegymnasium. Während bis 1991 Neunt- bis Zwölftklässler dort unterrichtet wurden, können inzwischen „im Goethe“ schon Fünftklässler eingeschult werden.

Von 1997 bis 2001 wurde das Gymnasium abschnittsweise umfangreich saniert – zuerst der naturwissenschaftliche Bereich, dann die Pavillons für den Musikunterricht. Und schließlich bekam die Aula ein Foyergebäude inklusive Tanzsaal. Die Aula selbst wurde modernisiert. Die Pläne für Sanierung und Anbau erarbeitete das Schweriner Architekturbüro Hartung & Partner. Im Jahr 2001 war alles fertig.

Ab 2014 wurde wieder am Goethegymnasium gebaut, diesmal jedoch wesentlich umfangreicher. Ein Teil der alten Gebäude musste zunächst weichen, unter anderem die Turnhalle. Grundsteinlegung für den Neubau war im Dezember 2014, und an einem heißen Tag im August 2016 wurde der Neubau feierlich eingeweiht. Auf 7.900 Quadratmetern wurden 520 Tonnen Stahl und 4.400 Kubikmeter Beton verbaut. Im Zuge des Baus bekam auch der Schulhof eine Rundum­erneuerung.S. Krieg




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