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14.08.18

5.000 Bewohner auf dem Dach

Der Verein New Social Way hat auf dem Schlosspark-Center ein Domizil für Bienen errichtet

Klaus-Peter Lehmbeck (r.), wie Frank Möller Mitglied des Vereins New Social Way, füttert hier die Bienen. Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Bienenhaus auf dem Dach des Schlosspark-Centers.

Klar, hinter diesen Fassaden kommt man nicht so einfach zufällig vorbei, und ein und aus geht dort auch niemand, dennoch hat Haus reichlich Bewohner, 5.000 Bienen nämlich, schätzungsweise. Einige umschwärmen ihr Zuhause, andere schwärmen aus, aber alle schwärmen für ihre Königin, die sie eifrig umsorgen.
Den Kasten, der den fleißigen Insekten als Heimstatt dient, nenne man fachsprachlich Beute, erläutert der  Imker Frank Möller, der sich um die Bienen auf dem Centerdach kümmert. Ganz genau handele es sich um eine Dadant-Beute, die im Wesentlichen aus Holz gefertigt ist, im Querschnitt 51 mal 51 Zentimeter misst und 30 Zentimeter hoch ist.

Den größten Teil dieser Kiste macht der Brutraum aus, darin hängen die Bruträhmchen, in welche die Bienen ihre Waben bauen. Auf die Standardform der Rähmchen verzichtet Möller. Die Rähmchen, die er verwendet, haben einen Oberträger mit einem Schiffsprofilquerschnitt und kommen von einem Tischler aus Öster­reich. Er betont auch: „Wir verzichten im Gegensatz zu vielen anderen Imkern auf Mittelwände und Anfangsstreifen, die den Bienen eine Menge Arbeit abnehmen. Bei uns sollen sie so bauen, wie sie es in der Natur auch machen würden.“

Unter dem Brutraum befinden sich ein Einschub mit einem feinmaschigen Gitter, der Varroa-Boden, und darunter die sogenannte Windel, eine weiße Platte. Diese beiden Elemente ermöglichen es dem Imker, den Milbenbefall einzuschätzen, und zeigen ihm unter anderem, an welcher Stelle im Brutraum sich das Volk gerade aufhält.

Manchmal brauchen die Bienen etwas zusätzliche Nahrung; die schlürfen sie hier aus dem Adam-Fütterer, einer flachen Lade mit einem Trichter. „Der Adam-Fütterer“, erläutert Frank Möller, „ermöglicht eine stressfreie Nahrungszufuhr – sowohl für die Bienen, die gefahrlos an die Nährlösung herankommen, als auch für den Imker, der nicht den Brutraum öffnen muss.“ Die Flüssignahrung ist eine Mischung aus Biorohrzucker, Kräutertee, Salz und Wasser. Möller nennt sie Baufutter. Der süße Trunk päppelt die Bienen auf.

Und tatsächlich: Das Volk ist wieder gewachsen: Als das Bienendomizil vor rund sechs Wochen auf dem Schloss­park-Center errichtet wurde, sei das Volk nur ungefähr ein Drittel so groß wie jetzt gewesen, schätzt der Imker. Sein Blick auf die Rähmchen, die er bei unserem Besuch auf dem Dach nach und nach begutachtet hatte, verriet ihm: Eine neue Generation des Bienenvolkes wächst heran. Pollen in den Waben entdeckte er ebenso wie Jungbienen.

Den oberen Abschluss der Beute bildet ein blecherner Witterungsschutzdeckel, der mit Filz als Dämmung ausgekleidet ist. Die Beute steht üblicherweise auf einem Bock, der meist im Boden verankert wird. Da dies auf dem Dach des Schloss­park-Centers nicht möglich ist, mussten sich Frank Möller und seine Mitstreiter vom Verein New Social Way etwas einfallen lassen. Die Lösung: eine 30-Kilogramm-Granitplatte, darauf Schalungssteine, die mit einer Eisenstange verbunden sind, und ganz oben dann das hölzerne Bienenhaus, das sicherheitshalber noch mit einem Spanngurt an den Steinen verzurrt ist.

Frank Möller ist Vorsitzender des Vereins Opens external link in new windowNew Social Way. Das Bienenvolk auf dem begrünten Centerdach ist bereits das sechs­te, um das sich der Verein kümmert. Aber warum dieser ungewöhnliche Standort? Ein Vereinsmitglied wollte, wie Möller selbst, einen Imkerkurs besuchen, die Kos­ten dafür konnte der Verein nicht tragen und fragte beim Spendenparlament nach Unterstützung. So wurde Centermanager Klaus Banner auf das Bienenprojekt aufmerksam. Er bot an, den Kurs zu finanzieren, wenn im Gegenzug ein Bienenvolk auf das Dach des Schlosspark-Centers zieht.
So geschah es. Seit 10. Juni wohnen die Bienen dort oben – und fühlen sich offenbar sehr wohl. S. Krieg




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