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19.10.18

„Es geht zunächst ums Zuhören“

Heide Kreft leitet die Gruppe Schwerin des Landesverbandes Frauenselbsthilfe nach Krebs

Heide Kreft lebt mit ihrer Krankheit und nicht für ihre Krankheit. Foto: S. Krieg

Heide Kreft ist eine Frau, die anpackt und optimistisch durchs Leben geht. Und das obwohl – oder gerade weil – sie Brustkrebspatientin ist. Mit der Krankheit leben und nicht für die Krankheit leben – so lautet ihr Motto. Und das ist auch das Leitmotiv der Opens external link in new windowSchweriner Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs, die sie leitet.
Die gebürtige Goldbergerin zog 1968 in unsere Stadt, denn hier nahm sie ihre Ausbildung zur Facharbeiterin für EDV auf. Sie lernte beim Bezirksrechenzentrum für die Landwirtschaft und arbeitete anschließend auch dort. Später war sie vor allem bei unterschiedlichen Betrieben in der Buchhaltung tätig, zuletzt bei der Fischerei.

Im September 1997 konnte sie plötzlich nicht mehr arbeiten: Diagnose Brustkrebs. „Im Mai war ich bei der Sonographie – Mammographie gab es damals noch gar nicht als Vorsorge – und es wurde nichts entdeckt, obwohl ich doch eine Veränderung in der rechten Brust ertastet hatte. Nur vier Monate später war der Tumor so groß, dass die Brust sofort amputiert werden musste.“ Es folgte das volle Programm: „Chemo, Strahlung, alles.“ Wider Erwarten habe sie die Krankheit und die Behandlungen gut überstanden; die Ärzte seien jedenfalls zuvor nicht besonders optimis­tisch gewesen. Ein knappes Jahr dauerten die notwendigen Torturen, und dann ging sie in die Reha-Klinik Boltenhagen. Insgesamt keine einfache Zeit, auch weil ihre beiden Töchter damals noch Schulkinder waren.

Bei der Reha hieß es viel Sport treiben. Vor allem im Wasser. Leichte Ausdauerläufe und Kräftigungs­übungen standen ebenfalls auf dem Programm. Hinzu kam die regelmäßige Lymphdrainage, bei der es bis heute geblieben ist. Sie muss zudem weiterhin an den Gliedmaßen ihre Kompressionsstrümpfe tragen.
Nach der Reha gab sie den Sport nicht auf. „Meine Frauenärztin hatte mir empfohlen, zu schwimmen und Wassergymnastik zu machen“, sagt sie. Also auf in die Dreescher Schwimmhalle (damals, 1998/99, noch die alte).

Dort hatte sie jedoch große Probleme, aus dem Becken zu klettern. Der Behindertenverband gab ihr den Tipp, sich einer Gruppe anzuschließen, die sich bereits einmal in der Woche in der kleinen Schwimmhalle der Körperbehindertenschule Lankow traf. Das Schwimmbecken dort sei für sie besser geeignet.
Sie ging also dort hin. Das Bewegen im Wasser bereitete ihr auch Freude. Jedoch: „Auf die Dauer war mir das zu langweilig. Mit Mitte vierzig ist man ja noch nicht so alt, und man möchte ein bisschen mehr machen“, erinnert sie sich. Kurz darauf las sie in der Zeitung, dass Vera Habecker eine Krebsgruppe gegründet hatte und Mitglieder suchte. Sie machte mit, obwohl sie eigentlich nicht in eine Selbsthilfegruppe (SHG) wollte.

Über diese SHG organisierte Heide Kreft dann Wassergymnastik. „So waren wir ab 2001 doch wieder in der Körperbehindertenschule“, sagt sie schmunzelnd. Um die Gruppe leiten zu können, besuchte sie zuvor entsprechende Kurse. Im Becken wird geschwommen, Ball gespielt, die Poolnudel geschwungen. Das Sporttreiben im Wasser erwies sich als so erfolgreich, dass sich sogar bereits eine zweite Gymnas­tikgruppe gegründet hat.

Gehörte die Gruppe anfangs noch zur Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS), wechselte sie kurz vor Aufnahme des regelmäßigen Wassergymnastiktrainings zum Landesverband MV des bundesweit organisierten Vereins Frauenselbsthilfe nach Krebs. Die Gruppe arbeitet auch mit der Krebsgesellschaft MV zusammen.

Wie kümmern sich nun die Mitglieder über die Wassergymmastik hinaus um die Betroffenen? „Wir sind für alle Krebskranken da, Frauen wie Männer“, betont Heide Kreft. „Dabei geht es zunächst einmal ums Zuhören. Und dann versuchen wir, bei Sorgen zu unterstützen und konkrete Probleme zu lösen – oft dreht es sich um die Nachsorge. Und wir weisen auf Möglichkeiten hin, Sport zu treiben, unter anderem natürlich auf die Wassergymnastik.“

Sie selbst bildet sich auch weiter. „Ich nehme kontinuierlich an Schulungen teil, besuche Arztvorträge, eigne mir aktuelle Informationen an, lerne viel über Öffentlichkeitsarbeit. Das geht dann hauptsächlich über unseren Landesverband“, sagt sie. Der Verband habe ihr sogar schon einen Lehrgang an der Mildred-Scheel-Akademie in Köln ermöglicht.

Die Gruppenmitglieder, derzeit etwa achtzig, treffen sich immer mal wieder zu Spielenachmittagen, wandern gemeinsam und unternehmen Ausflüge, kürzlich nach Friedrichsmoor und zu den Ivenacker Eichen.

Auch jenseits ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Frauenselbsthilfe nach Krebs zeigt sich Heide Kreft sehr agil: Sie bewirtschaftet ihren Kleingarten im Gosewinkler Weg, betreibt weiterhin selbst Wassergymnastik und geht zum Zirkeltraining bei Asana Gesundheitssport. Nur rumzusitzen, ist für sie jedenfalls überhaupt keine Option – nicht nur, weil sie mit ihren 66 Jahren noch deutlich zu jung dafür ist. S. Krieg




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