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14.07.17

Wo früher Spinnräder standen

Drei Jahre lang sanierte Ulrich Bunnemann das einstige Werkhaus in der Bergstraße 20

Ulrich Bunnemann an der Veranda zum Garten Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: die Berg­straße 20.
Vor zwanzig Jahren haben Ulrich und Ruth Bunnemann das Haus gekauft, aber bis es im gewünschten Zustand war, mussten sie eine Menge Arbeit in ihr neues Zuhause stecken. Ulrich Bunnemann sagt: „Wir haben das Gebäude von Grund auf saniert – mit ganz viel Eigenleistung und mit wenig Geld.“ Das Dach war undicht, die gesamte Haustechnik taugte nicht mehr viel. Wände, Decken und Fußböden mussten neu gemacht und reichlich Balken ausgetauscht werden.

„Wir haben versucht, alles so umzusetzen, dass der ursprüngliche Charme des Hauses erhalten bleibt“, sagt Bunnemann, der von Beruf Architekt ist. Und Denkmalschutzauflagen galt es ja auch noch zu beachten. Während der Sanierung sei er auf viele Funde gestoßen, die Hinweise auf die frühere Nutzung als Werkhaus vor allem für Kinder geben: Teile von Spinnrädern, Zinnsoldaten, Knöpfe, Spielsteine.
Errichtet wurde das Haus im Jahr 1760 in Fachwerkbauweise, Bauherr war wohl Kammerherr von Bülow. Der jedenfalls veräußerte das Haus wenig später an einen Herrn Kychenthal. 1787 kaufte die Großherzogliche Waisenanstalt das Gebäude, das seinerzeit noch die Adresse Bergstraße 209 hatte. 1788 wurde hier tatsächlich das neue Armenhaus eröffnet. Dafür hatten die Schweriner Bürger Geld gesammelt. Oder auch nicht, denn eigentlich wollten sie mit den Talern ein Denkmal für den 1785 gestorbenen Herzog Friedrich finanzieren. Dessen Nachfolger Friedrich Franz aber regte an, die Mittel besser für wohltätige Zwecke einzusetzen. So geschah es.

Nachdem 1796 auf diese Art 28.000 Taler zusammengekommen waren – inklusive 9.000 Taler, die der Herzog selbst beisteuerte – konnte das Werkhaus „in demselben Gebäude der Anstalt angegliedert werden“. So schreibt es Dr. Wilhelm Jesse in seiner „Geschichte der Stadt Schwerin“. Und er erläutert: „In dieser Anstalt fanden nun arme Knaben und Mädchen hinlängliche Beschäftigung und Verdienst. Auch als Lehranstalt im Woll- und Flachsspinnen diente das Werkhaus.“ Johann Christian Friedrich Wundemann schreibt in „Mecklenburg in Hinsicht auf Kultur, Kunst und Geschmack“ (erschienen 1803) über seine Beobachtungen in dem Werkhaus: „Im Sommer 1802 fand ich in dem ersten Zimmer siebenunddreißig Spinnräder, im Gange sind in jedem der beiden anderen ungefähr eben so viel. Im Winter ist indeß die Versammlung der spinnenden Jugend zahlreicher und steigt gewöhnlich auf hundert und dreißig.“
Laut Jesse betrugen 1804/05 die Einnahmen des Werkhauses 555 Taler, „während für den Lohn durchschnittlich 250 Taler ausgezahlt wurden“.

Trotz Spenden und der Erlöse reichte das Geld nicht, das Haus auf Dauer zu betreiben. Nachdem das Werkhaus in der Bergstraße Mitte der 1820er Jahre seinen Betrieb eingestellt hatte (es gab bereits anderswo ein neues), ging es in den Besitz des Werkhaus-Inspektors Mantius über, dessen Tuchfabrik das dort hergestellte Garn verarbeitete. 1848 verkaufte Mantius die Immobilie als Wohnhaus an den Baron von Stenglin.
Der Baron ließ den Bau sofort neu gestalten. Das Schweriner Amt für Denkmalpflege schreibt dazu: „Es wurde straßenseitig ein Putz mit Fugenschnitt aufgebracht und das dreiachsige Zwerchhaus errichtet. Gleichzeitig hob man den nördlichen Teil des hofseitigen Daches um ein Geschoss an.“ Diese Grundstruktur weist das Haus heute noch auf, auch wenn es 1879/80 noch ein wenig verändert wurde (Eigentümer war zu der Zeit der Lehrer Gustav Borgmann).

Und dann kam Bunnemann. Drei Jahre lang habe er das Haus saniert, das zuletzt der Gräfin Philippine von Arnim gehört habe. „Nochmal so viel Zeit wie in das Haus musste ich in den Garten investieren“, erinnert er sich. Dabei entdeckte er sogar einen zugeschütteten Brunnen, den er wieder nutzbar gemacht hat. Alte Waldglasflaschen und andere interessante Gegenstände kamen bei den Arbeiten im Grünen ebenfalls zu Tage. Viele davon dekorieren nun das Wohnzimmer. „Außerdem“, sagt Bunnemann, „ist der Keller voll mit Fundstücken, die zum Haus gehören.“ Dazu zählen auch Reste der bemalten Wandvertäfelung, die noch restauriert werden sollen. S. Krieg




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