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20.10.17

Panorama mit der Hyparschale

Vor 45 Jahren wurde die Gaststätte in der Johannes-Brahms-Straße 65 eröffnet

So sieht das Gebäude heute aus. Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das frühere Restaurant „Panorama“ in der Johannes-Brahms-Straße 65.

Die Kongresshalle stand bereits einige Jahre, als man ab 1969 in der Stadt plante, nebenan einen Komplex für die Kinder- und Jugendsportschule aufzubauen. Unter anderem entstanden in den Folgejahren Schule, Internat und Achteck. Aber man hatte noch Größeres vor: Zum Beispiel sollten direkt neben dem Achteck eine Schwimmhalle und ein Freiluftschwimmbad entstehen. Auf dem alten Bauplan für das Areal ist zudem eine Fußgängerbrücke eingezeichnet, die am Achteck beginnt, über die Wittenburger Straße führt und an einem weiteren Gebäude endet, das zu dem Gesamtkomplex gehört.

Dieses wurde im Gegensatz zu der Brücke tatsächlich gebaut und ist den Schwerinern nach wie vor als „Panorama“ bekannt. Man be­nö­tig­te für Sport- und andere Veranstaltungen eine Gaststätte, in der Teilnehmer und Besucher versorgt werden konnten. An den anderen Tagen war es ein öffentliches Restaurant für die Schweriner, besonders die Weststädter – jedoch eines der gehobenen Preiskategorie. Insgesamt 30 Leute arbeiteten anfangs dort.

Die Gaststätte wurde nach drei Baujahren im Juli 1972 eröffnet, sie verfügte über insgesamt 210 Plätze: 30 befanden sich im Erdgeschoss und alle anderen auf der oberen Ebene, inklusive Terrasse. Die Terrasse zieht sich im Halbkreis um die Südseite des runden Gebäudes mit 20 Metern Durchmesser; von hier schaut man aufs Achteck und schräg rüber zur Kongresshalle.

Das „Panorama“ ist ein typischer Bau des Architekten Ulrich Müther, der in ähnlichem Stil viele Bauten vor allem in der früheren DDR schuf (aber Anfang der achtziger Jahre auch das Zeiss-Planetarium in Wolfsburg). So verfügt das Gebäude über keine Fassade im eigentlichen Sinn. Dem Betonsockel, der das Erdgeschoss bildet, wurde ein hoher Ring aus Fens­tern aufgesetzt und oben drauf direkt das in zwei Richtungen gewölbte Dach, woran sich wiederum zwei seitliche Stützstreben anschließen. Die beiden schräg zum Boden laufenden Bauelemente sind unter­irdisch miteinander verbunden, was dem ganzen Aufbau Stabilität verleiht – und nebenbei den Keller zweiteilt. Diese selbsttragende Dachkonstruktion wird in der Architektur Hyperbolische Paraboloidschale genannt; Müther verwendete den Kurzbegriff Hyparschale.
Übrigens: Die erwähnte Schwimmhalle wäre optisch die große Schwes­ter des „Panoramas“ geworden, denn auch sie war als Hyparschalen-Kons­truktion geplant, allerdings fehlte in der DDR für dieses und die anderen auf dem Gelände nicht verwirklichten Bauvorhaben das Geld.

Im Sommer 1993 wurde im „Panorama“ das Chinarestaurant „Shin Shin“ eröffnet, 120 Gäste fanden dort Platz; zuvor stand das frühere „Panorama“ eine ganze Weile leer, Scheiben waren eingeschmissen und die Inneneinrichtung teils zerstört. Im Erdgeschoss befindet sich mittlerweile auch eine Wohnung. Ab 1995 führte ein anderer Betreiber die Gaststätte unter dem Namen „Jadepalast“ weiter – bis 2000 die jetzige Besitzerin den „Jadepalast“ übernahm. Seit 2015 ist das Restaurant jedoch wieder geschlossen. Was auch immer künftig aus dem „Panorama“ wird, erhalten bleibt den Schwerinern das Haus so oder so, denn letztes Jahr wurde der Bau in die Denkmalliste unserer Stadt aufgenommen. S. Krieg




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